170 Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel. standen hat, war die Krönung ihrer Politik. Es war eine Wendung, die für die Hanse von tödlichen Folgen hätte sein müssen, wären nicht die nordischen Reiche durch langsame innere Umwälzungen auf viele Jahrzehnte hin zur Unthätigkeit nach außen verdammt gewesen. Erst jetzt setzte sich hier das Lehns⸗ wesen gänzlich durch und erstarkte vollkommen die Macht des Klerus: es regten sich die Probleme innerer Entwicklung, deren Lösungsversuch das Deutsche Reich des 10. bis 183. Jahr⸗ hunderts gesprengt hat. Die innere Fesselung aber, der Hanse und skandina— vische Union einstweilen unterlagen, kam alsbald den deutschen Territorialgewalten der Ostsee zu gute. Die Grafen von Holstein eroberten Schleswig; im Frieden zu Nyborg (1886) ward es ihr erbliches Lehen; auf ewig schienen die beiden Herzogtümer verbunden. Den Hauptgewinn aber aus den un— fertigen Verhältnissen zog der Deutsche Orden. Die Eroberung Preußens und die Erwerbung Livlands war durch den Orden im wesentlichen mit der Wende des 13. und 14. Jahrhunderts zu Ende geführt worden; im Jahre 1309 ward der Sitz des Hochmeisters nach der Marienburg verlegt!. Von nun ab galt es zunächst nir noch, diesen Besitz zu erhalten, vornehmlich gegenüber den feindlichen Be— strebungen Polens; in langen Kämpfen der dreißiger Jahre des 14. Jahrhunderts, die mit dem Frieden von Kalisch (1843) abschlossen, ward es erreicht. Aber bald darauf war dem Orden noch gleichsam gegen seinen Willen ein weiteres Gebiet zugefallen: die Küstenlandschaften Esthlands von Narwa bis Reval, bis dahin in dänischem Besitze, flüchteten sich gegenüber dem Andrang der Schweden von AÄbo und gegenüber dem drohenden Druck der esthnischen Bauernbevölkerung des Inneren unter den Schutz des Ordens, und dieser kaufte das Land im Jahre 1346 den Dänen ab. Es war ein Zuwachs, der den Orden noch viel mehr als bisher zu einer Ostseemacht bestimmte, zu— mal es ziemlich gleichzeitig gelang, die bisher feindliche Macht 1Val. Band III S. 407.