32 Vierzehntes Buch. Erstes Kapitel. kammergericht und schied sie dadurch fast völlig vom Reiche; in der losen Stellung von „Reichsverwandten“ sind sie freilich noch formell bis zum Jahre 1648 beim Reiche geblieben. Die Niederlage in der Schweiz wirkte natürlich auf Italien urück; im August 1499 nahmen die Franzosen Mailand ein; Maximilians Schwiegervater Ludwig Sforza mußte fliehen. So war mit Ausgang des Jahrhunderts die äußere Politik des Königs völlig gescheitert und die Ehre des Reichs hatte zelitten. Der Rückschlag auf dem Gebiete der inneren Volitik ieß nicht auf sich warten. Auf dem Reichstage zu Augsburg, im Jahre 1500, forderte König Max von neuem kriegerische Hilfe. Sollte man wieder hersuchen, sie auf dem Wege eines gemeinen Pfennigs aufzu— bringen? Sollte das Reich es nochmals wagen, eine direkte Steuer einzufordern ohne die Handhabe einer eignen Verwaltung? —A0 so wenig konnte man sich doch entschließen, das Reich mit indi— rekten Steuern auszustatten, deren Bestand ohne weiteres eine Stärkung des Königtums, eine Schwächung der föderalistischen Bestrebungen bedeutet haben würde. Man versuchte anderweitig auf direktem Wege vorwärts zu kommen. Man verständigte sich im wesentlichen über eine unmittelbare militärische Aus— hebung. Je 400 Personen sollten einen Knecht ausrüsten, jeder Graf und Herr einen Reisigen auf je 4000 Gulden jährlicher Rente. Städte und geistliche Korporationen sollten von je 10 Gulden jährlichen Einkommens einen Gulden zahlen, die Juden einer Kopfsteuer von jährlich einem Gulden unterliegen. König Max berechnete das Ergebnis des Anschlags auf ein Heer von etwa 30000 Mann; es wäre eine des Reiches allenfalls würdige Kriegsmacht gewesen. Aber was muteten die Stände dem König gegen die Be— willigung dieses Heexes zu! Der König sollte jetzt auf jenen alten Plan eines Reichsregiments vom Jahre 1495 völlig ein⸗ gehen. Und er konnte nicht umhin, sich zu fügen. Das Regiment sollte jetzt aus 20 Mitgliedern, alle ständischer Ernennung, bestehen; an ihrer Spitze sollte sich ein unabhängiger