Kaiser Maximilian J.ʒ Königtum und Reichsstände. 47 begleichen sollen, die die nächsten Vorgänger am Reiche, vor allem sein Vater, auf sich geladen hatten. Und der Aufschwung der habsburgischen Hausmacht, wie ihn Max zunächst glänzend erlebte und keilweis persönlich herbeiführte, schien diesen Hoff⸗ nungen die festeste Grundlage zu geben. Wodurch waren nun diese Erwartungen so zu nichte geworden? Die föderative Entwicklung war doch schon zu weit vor— geschritten gewesen, um noch ganz gehemmt werden zu können. Mußte aber ein ehrliebender König, dem eine größere Hausmacht zu Gebote stand, nicht eben dies versuchen? Mußte nicht gerade ihm die Entwicklung der obersten Befugnisse im Reich im Sinne einer modernen centralistischen Gewalt erstes Ziel sein? König Max hat dem zunächst in seinen besten Tagen nach— gestrebt; darum versagte er den entgegengesetzten Versuchen der Stände, soweit er vermochte, seine Zustimmung. Aber dann zeigte sich doch, daß er, gleichzeitig nach außen hin der Rekon⸗ ftruktion des Reiches zugewandt, der Stände, ihrer militärischen wie finanziellen Hilfe bedurfte. So mußte er zugestehen, daß er den Bogen zu straff gespannt habe, und sich dem Programm der Stände bequemen. Aber als er das that, war es zu spät. Die Stände erinnerten sich nun seiner früheren Absichten und versagten sich. Und sie vermochten das mit einigem Grunde, da sich Maximilian in den Plänen seiner auswärtigen Politik mittlerweile als ein überfliegender Phantast und unsteter Bundesgenoß erwiesen hatte. Wäre unter den bestehenden Verhältnissen schon der nüchternste und bedachteste Staatsmann leicht gescheitert: wie hätte der liebenswürdige, aber unzu— verlässige kaiserliche Planmacher sie meistern sollen? Er sank von Stufe zu Stufe; am Ende seines Lebens war er machtlos und das Reich verworren. Es waren Zustände, weit schlimmer, als diejenigen, unter denen Kaiser Friedrich III. verschieden war. Und hätte es sich nur um einen politischen Verfall gehandelt! Dieser Verfall war — und das allein erklärt ihn ganz — einstweilen nur der einzige, vollkommen sichtbare Ausdruck schmerzlichster sozialer Verschiebungen, die seit mehr als einem