58 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel. jetzt zu feilen Käufen fährt, trägt und bringt, das da einer zu seiner Notdurft zu Wege bringen könnte, es sei denn zuvor in der dritten oder vierten Hand gewesen“. Und doch, was besagte die Plage der kaufmännischen Kleinkapitalisten gegenüber den Zuständen, die sich durch Ent— wicklung von Großkapitalien in den Händen einzelner Bürger gebildet hatten! Schon im 14. Jahrhundert gab es einzelne reichere Groß— kaufleute; so mag z. B. der Hamburger Handelsherr Vicko von Geldersen etwa eine Viertel Million Mark in unserem Gelde besessen haben, und ähnliche Vermögen haben sich um die Wende des 14. und 15. Jahrhunderts in Basel gebildet. Was besagte aber solcher Besitz gegenüber der enormen An— häufung von Kapitalien in einzelnen Händen im Verlauf des 15. und 16. Jahrhunderts! In Augsburg machte im Jahre 1527 der Bankier Höchstetter einen Bankerott mit über einer halben Million Gulden Passiven, starb im Jahr 1548 Graf Anton Fugger mit Hinterlassung von 6 Millionen Goldgulden in Forderungen und Bar, abgesehen von seinem großen Besitz in Liegenschaften. Woher nun diese grundstürzende Wandlung? Sie ist nicht bloß Folge einfacher Kapitalvermehrung. Die Kapitalnutzung war im Verlauf von etwa fünf Generationen eine andere ge— worden. Der frühere Handel war Eigenhandel gewesen, Ge— schäfte im Sinne unserer Kommission und Spedition waren fast nicht vorgekommen. Zugleich war der Handel reell gewesen im eigentlichsten Sinne des Wortes; Differenzgeschäfte hatte man nicht gekannt, und die Zahlung war noch überwiegend in Bar erfolgt. Jetzt hatte sich nun der Kredit, zunächst in seinen kauf— männischen Formen, entwickelt. Früh schon erlebte man eine außerordentliche Umwandlung und Ausdehnung des alten Real⸗ kredits durch Mobilisierung der fundierten Häuserrente; daneben trat, in Flandern bereits seit Ende des 18. Jahrhunderts, ein immer zunehmender Wechselkredit. Im inneren Deutschland bürgerte sich dieser Kredit, wie andere Formen des kaufmänni—