32 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel. der Grundherrschaft im 12. und 13. Jahrhundert folgend, die alten Verhältnisse in rein eigennütziger Weise umzugestalten oder im Sinne eines gewissenlosen Masseverwalters zu lösen suchten. Hierhin gehört es, wenn in großen Teilen Süd- und Westdeutsch⸗ lands der Adel sein altes Herrenland in immer kleineren Par— zellen zu immer höheren Preisen verkaufte oder verpachtete, wie ihm das bei der außerordentlich steigenden Nachfrage nach Land freilich leicht ward: er schuf damit ein unglückseliges Proletariat kleiner Landleute, die noch dazu vielfach verschuldet waren oder nur in prekärer Pacht saßen. Hierher gehört es nicht minder, wenn die Grundherren die seit dem 12. Jahrhundert eingeschlagene Richtung der Umwandlung von Fronden und Naturalliefe⸗ rungen in Geldzins unterbrachen oder gar rückgängig machten, um sich die Möglichkeit zu sichern, die konkreten Fronden und Leistungen willkürlich zu erhöhen. Verhängnisvoller aber, als all dies, wirkte die Art, in der die Grundherren sich zu der steigenden Übervölkerung auch ihrer hörigen Hufen stellten. Früher waren nachgeborene Söhne von grundholden Leuten nicht minder in den Wald gezogen zu neuem Ausbau, wie Kinder freier Eltern; eben mit ihrer Hülfe hatten die Grundherren ihr Land im Laufe des 12. und 13. Jahrhunderts ausgebaut. Später waren dann solche Nach— geborene vielfach in die Städte und in die Kolonisationsgebiete des Ostens entwichen. Jetzt ergab sich hier eine Stagnation nicht minder, wie bei den geringen Resten der freien Bevölke— rung. Es blieb nichts übrig, als auch die hörigen Hufen zu teilen. Hier aber trat das grundherrliche Interesse zwischen. Wie konnten Zinse und Fronden von weit zersplitterten Hufen noch sicher eingehen? Höchstens bis zur Viertelung ward die Teilung abhängiger Hufen vom Grundherrn der Regel nach zugelassen; die über die Besitzer von Hufenteilen überschießende grundholde Bevölkerung aber ward als nunmehr kopfzinsig, als leibeigen betrachtet. Es war eine Erscheinung, die sich schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts anbahnte: der deutschen Entwicklung war sie bis dahin nahezu völlig fremd gewesen. Jetzt erst entstand auf deutschem Boden zu—