12 Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel. Standesunterschiede seien vom Teufel; Kaiser und Papst seien vor Gott gleich anderen Menschen; die Zeit werde kommen, da Fürsten und Herren um einen Tagelohn arbeiten würden. Die Lehre fand unerhörten Anklang, zumal sie der Pauker in leichtfaßliche Reime und Melodien zu fügen wußte; aus ganz Mitteldeutschland, ja von der Mark und aus Schwaben zogen Bauern herbei und sangen in Pilgers Weise das furchtbare Lied: Wir wollen Gott im Himmel klagen, Kyrié eéleison, Dass wir die Pfaffen nit sollen zu Tode schlagen: RKyrie eéleisonl. Es war hohe Zeit, daß die öffentlichen Gewalten ein— —DDDDDD—— herr, nahm eine beobachtende Stellung ein. Endlich griffen die geistlichen Behörden durch; der Bischof von Würzburg ließ den Pauker aufheben und nach der Würzburger Feste verbringen. Hier ist er, nach einem wahnsinnigen Versuch seitens seiner fanatisierten Anhänger, ihn zu befreien, auf dem Scheiterhaufen zestorben, ein frommes Marienlied auf den Lippen. Die Be— wegung aber brandete noch lange nach; die Niklashausener Kirche mußte abgebrochen werden, und erst 1518 ward die Frlaubnis zu ihrem Wiederaufbau erteilt. Der Pauker hatte die Teilnahme der Handwerker und überhaupt der niederen Bürgerklassen in Würzburg gefunden. Die nächste Bewegung systematisch-revolutionärer Natur führt in das Jahr 14983 und weist eine Verbindung der bischöflich Straßburgischen Bauern und der Bürger von Schlettstadt auf unter der Leitung des Schlettstädter Bürgermeisters Hans Ulman. Der Bund war groß angelegt, man erhoffte den Zutritt des ganzen Elsasses und der schweizerischen Eidgenossen, und das Programm ging auf eine allseitige Besserung länd— licher und städtischer Zustände zugleich unter deutlicher An— lehnung an das halb sozialistische Programm der Reformation 4 Chronik von Schwäbisch Hall, Vogt S. 99.