Religiöse Bewegung; Luther. 223 durch die Familie Cotta in Beziehung zu anderen Bürger— familien Eisenachs, namentlich solchen, die mit den Franzis— kanern des Ortes eifrige Freundschaft hielten; hier mag er auch von dem unglücklichen später eingekerkerten Franziskaner Johann Hilten gehört haben, der kühn die Schäden der Kirche rügte und von einem Reformator weissagte, der über ein Kleines erscheinen werde. Vier Jahre darauf bezog Luther die Universität Erfurt, im Sommersemester 1501 ist er immatrikuliert worden. Jung, nun endlich lebensfrisch, ein sangesfroher Kamerad, befand er sich damit in einem vielseitig strahlenden Brennpunkt geistigen Lebens. Erfurts Akademie war damals, wie wir wissen!, auf jener glücklichen Übergangsstufe, da noch kräftige Epigonen der Scholastik in einträchtigem Wetteifer mit den ersten Trägern des Humanismus zusammenwirkten. So machte Luther zunächst den althergebrachten Kreis philosophisch-scholastischer Studien durch; gern übte er seinen Verstand an ihrer gefeilten Dialektik. Aber auch den humanistischen Kreisen ist er nicht fern geblieben. Unter diesen Einwirkungen kam der Abschluß der philosophischen Studien heran; zu Anfang des Jahres 1505 ward Luther als zweiter unter siebzehn Bewerbern Magister der freien Künste. Nun zog er nach Hause, sich froh den Eltern zu zeigen; der Vater beschaffte ihm für seine kommenden Studien alsbald das teure Corpus iuris; er sah ihn schon als künftigen Geheimen wenn nicht Kanzler seiner gnädigen Herren von Mansfeld; er war willens, ihm ehrlich und reich zu freien. Da, auf der Rückreise nach Erfurt, überfiel den jungen Magister, den schon vorher der Tod eines Freundes erschüttert hatte, ein jähes Donmnerwetter; er fürchtete den tötenden Strahl; und in der Angst des Todes gelobte er sich dem Leben im Kloster. Luther hat über die Beweggründe dieser Stunden niemals anders als kurz gesprochen; sie sind ein Geheimnis seines Herzens geblieben. War es ein leidenschaftlicher Impuls mittel— S. oben S. 190.