246 Fünfzehntes Buch. Erstes Kapitel. Außerordentlich hatte dieser Klerus schon seit dem 13. Jahr⸗ hundert gelitten unter der besonderen Beichtermächtigung der Bettelmönche: sie hatte ihm die Seelsorge in der Gemeinde unterbunden. Wie aber war seine Thätigkeit dann erst durch die Ablaßkrämer gelähmt worden! Hatte doch Luther nur aus trüben pfarramtlichen Erfahrungen heraus zum Mittel der Ab⸗ wehr gegriffen! Der Anlaß, der ihn zum Handeln zwang, war allgemeiner Art; allenthalben erkannte der Pfarrklerus in Luther den Vertreter seines mangelnden Erfolges, seiner Be⸗ sorgnis. So nahm er sich der Propaganda an und brachte die Anschauungen der lateinischen Thesen in deutscher Münze uinter die Menge. So vorbereitet, so herbeigeführt war die Wirkung der Thesen unvergleichlich; schon die Zeitgenossen haben den Beginn der Reformation von ihrem Erscheinen gerechnet. Zu der von Luther ausgeschriebenen mündlichen Erörterung —D trat Tetzel mit schriftlichen Gegenthesen hervor, auf die hin er gegen Schluß des Jahres 1517 an der gegen Wittenberg eifer— füchtigen Universität zu Frankfurt a. O. den Grad eines theo⸗ logischen Doktors erwarb: nur daß der Schritt Luther zu iner Gegenschrift veranlaßte, in der sein grundsätzlicher Stand⸗ punkt gegenüber Ablaß und Bußsakrament schon deutlicher hervortritt. Wichtiger war, daß geheime Stimmen Luther unmittelbar als Häretiker zu bezeichnen begannen. Unter ihnen trat be— sonders die des Doktors Johann Eck von Ingolstadt hervor, eines gewandten, sittlich aber nicht sehr hochstehenden Theo— logen, der gleich Luther aus dem Bauernstand hervorgegangen war. Ohne äußerlich das gute Verhältnis zu Luther aufzu— geben, verbreitete Eck handschriftlich Schmähartikel unter dem Titel der Obelisci (Spießchen), womit man in Handschriften verdächtige Stellen zu bezeichnen pflegte. Luther antwortete