Religiöse Bewegung; Luther. 249 einem Reichstage zu Augsburg, dem letzten, den der alternde Kaiser Maximilian gehalten hat. Es war eine wichtige Tagung, und in ihre Interessen war auch der Papst verflochten. In Rom ward nämlich seit 1512 ein allgemeines Konzil gefeiert, noch von Julius II. berufen; es sollte die seit dem Verfall der konziliaren Bewegung des 15. Jahrhunderts neu erworbene Hoheitsfülle des Papsttums bestätigen und hat diese Aufgabe durch die feierliche Proklamation der Bulle Bonifaz' VIII. Unam sanctam zur Zufriedenheit gelöst. Daneben aber sollte es nach dem Wunsche Julius II. und noch mehr seines Nach— folgers Leos X. den christlichen Widerstand gegen die Türken beleben; und in der That hat es einen allgemeinen Türkenzehnt für die abendländische Kirche beschlossen. Ihn nunmehr durch den Reichstag gut heißen und auf die deutsche Nation ausschreiben zu lassen, war eine der wesentlichen Sorgen der oäpstlichen Gesandtschaft beim Augsburger Reichstag. Aber das war schwierig. Die Deutschen wollten nicht zahlen; man höhnte laut und leise, der Zehnt werde schwerlich den Türkenkriegen zu gute kommen. Noch mehr: man holte die alten Beschwerden gegen die Kurie wieder einmal vor, das endlose Thema über Annaten und Pfründenverleihungen, über Indulgenzen, Exspektanzen und anderes, und man faßte sie wieder einmal in einem kräftigen Schriftstück zusammen, das einem früheren vom Jahre 1456 fast auf ein Haar glich. Diese Haltung mußte die Kurie gegenüber dem Reichstag verbittern — und auch gegenüber dem Kaiser. Nun bedurfte aber Max damals der Kurie. Er ging damit um, seinem Enkel, dem Herzog Karl von Burgund, die Nachfolge im Reiche zu sichern. Kam es hierbei einerseits darauf an, die deutschen Kurfürsten für dessen Wahl schon bei Lebzeiten Maxens zu gewinnen, so mußte andererseits auch die Zustimmung der Kurie dazu erreicht werden, daß diese Wahl, obwohl Max nur erwählter, nicht auch gekrönter römischer Kaiser war, dennoch gethätigt werde. Das war die Lage, die Luthers Gesuch an seinen Kur— fürsten; man möge ihn in Deutschland verhören, zu Augsburg