Keligiöse Bewegung; Luther. 263 Haufen und Gemeinde regieren hülfen mit Predigen und Sakramenten. Es wäre auch not, daß die Jahrestage, Be— zängnisse, Seelmessen ganz abgethan oder doch verringert würden. Was sollte Gott für einen Gefallen daran haben, wenn die elenden Vigilien und Messen so jämmerlich geschlappert werden, weder gelesen noch gebetet: es liegt Gott nicht an viel, sondern an wohl beten! Daß man alle Feste abthue und allein den Sonntag behalte. Daß die wilden Kapellen und Feld— kirchen zu Boden zerstört werden, da die neuen Wallfahrten hingehen, denn es geschieht den Pfarrkirchen Nachteil davon, daß sie weniger geehrt werden. Es hilft auch nicht, daß Wunderzeichen da geschehen; denn der böse Geist kann wohl Wunder thun. Auch sollte man abthun oder verachten oder doch allgemein machen aller Kirchen Freiheit, Bullen, und was der Papst zu Rom verkauft auf seinem Schindanger. Denn so er Wittenberg, Halle, Venedig und vor allem seinem Rom Indulte, Privilegien, Ablässe, Gnaden, Vorteile verkauft oder giebt: warum giebt er es nicht allen Kirchen insgemein? Oder muß das verfluchte Geld in Sr. Heiligkeit Augen einen so großen Unterschied machen? Er ist ein Hirte: ja, so du Geld hast, und nicht weiter! — Es ist wohl der größten Nöte eine, daß alle Bettelei abgethan würde in aller Christenheit, daß eine jegliche Stadt ihre armen Leute versorgte und keinen fremden Bettler zuließe, sie hießen, wie sie wollten, es wären Wallbrüder oder Bettelorden. Es könnte eine jegliche Stadt die ihren ernähren: so müßte da sein ein Verweser oder Vormund, der all die Armen kennt und, was ihnen not wäre, dem Rat oder Pfarrer ansagt. Die Bruderschaften, ferner Ablässe, Ablaß— briefe, Butterbriefe, Meßbriefe, Dispensationen und was des Dinges gleich ist, nur alles ersäuft und umgebracht! Das ist nichts Gutes. Kann der Papst dich dispensieren im Butter⸗ essen, Meßhören u. s. w., so soll er es den Pfarrern auch assen können, denen er es zu nehmen nicht Macht hat. Die Universitäten bedürften auch wohl einer guten stracken Reformation. Hier wäre nur mein Rat, daß die Bücher des Aristoteles Physice, Metaphysica, De anima, Ethica, welche