Religisse Bewegung; Luther. 271 des bösen Zusatzes, daß sie an sich gut machen, willen, um dieser falschen, verkehrten Meinung willen, welche macht, daß sie nur gut scheinen und sind doch nicht gut. Das sei von den Werken insgemein gesagt und von denen, die ein Christenmensch gegen seinen eigenen Leib üben soll. Nun wollen wir von mehr Werken sagen, die er gegen andere Menschen thut. Siehe, da hat Paulus klärlich ein christliches Leben dahin gestellt, daß alle Werke sollen gerichtet sein dem Nächsten zu gut, dieweil ein jeglicher für sich selbst an seinem Glauben genug hat, und alle andern Werke und Leben ihm übrig sind, feinem Nächsten damit aus freier Liebe zu dienen. Darum, ob er nun ganz frei ist, soll er sich wiederum williglich zu einem Diener machen, seinem Nächsten zu helfen, mit ihm zu verfahren und zu handeln, wie Gott mit ihm durch Christum gehandelt hat. Siehe, also fließt aus dem Glauben die Liebe und Lust zu Gott, und aus der Liebe ein freies, williges, fröhliches Leben, dem Nächsten umsonst zu dienen; und ein Christen⸗ mensch lebt nicht sich selbst, sondern in Christo und seinem Nächsten: in Christo durch den Glauben, im Nächsten durch die Liebe. Siehe, das ist die rechte geistliche, christliche Freiheit, die das Herz frei macht von allen Sünden, Gesetzen und Geboten, welche alle andere Freiheit übertrifft, wie der Himmel die Erde. Diese gebe uns Gott recht zu verstehen und zu behalten! Amen! — Mit den großen Schriften des Sommers und Herbstes 1520 war Luthers Bruch mit Rom, soweit er noch nicht ein— zetreten war, innerlich vollkommen entschieden. Und die Nation folgte dem kühnen Führer. Freilich: wie wußte er sie zu packen! Staunenswert, unermüdlich war er thätig; dauernd hat er allein mehrere Druckpressen beschäftigt. Und welche Töne schlug er an! Wenn er mit der Erfahrung eines reifen Agitators die Interessen besonderer Stände in den Vordergrund schob, wie in der Schrift an den christlichen Adel die des Pfarrklerus; wenn er mit Geschick die einzelnen Teile seiner