322 Fünfzehntes Buch. Zweites Kapitel. alle Stillen im Oberland. Was sollte ihr Schicksal sein? Es ist eine Frage, die bei der Leidensstimmung der Gläubigen einstweilen mehr von den großen reformatorischen Bewegungen Zwinglis und Luthers, und bei ihrer staatlichen und gesell— schaftlichen Indifferenz vielleicht noch mehr vom Verlauf der gleichzeitigen sozialen und politischen Strömungen abhing. III. Während sich in den Jahren 1521 bis 1524 eine reißende Entwicklung der religiösen Ideen vollzog, traten zugleich die politischen Ergebnisse jener sozialen Bewegung zu Tage, die seit spätestens dem Ende des 14. Jahrhunderts begonnen hatte. Es sind die Ergebnisse, deren spätere Durchschlingung mit den Wirkungen der geistigen Bewegung das Schicksal der Reforma— tion, ja unseres Volkes überhaupt mindestens während der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bestimmt hat. Noch Kaiser Sigmund hatte im Anfange seiner Regierung eine monarchische Reform der Verfassung mit Hilfe der Städte gegen die Fürsten versuchti. Er war damit infolge der Lau— heit der Städte und noch mehr infolge des energischen Handelns der Kurfürsten gescheitert. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts war dann keine Frage mehr gewesen, daß die Reichsverfassung nur noch in föderalistisch-fürstlichem Sinne entwickelt werden könne; die Städte waren zurückgedrängt; genug, wenn ihr finanzieller Widerstand gegen Schluß der Regierung Kaiser Friedrichs IIII. den vollen Sieg der Fürsten noch einmal ver— eitelt hatte?. In den Zeiten Maximilians J. hatten dann alle Bestrebungen im föderalistischen Sinne, von Fürsten getragen, auch fürstlichen Charakter gezeigt; und seit dem Reichstag zu Köln im Jahre 1512 waren sogar schon Anzeichen einer den Städten feindlichen partikularen Reichsgesetzgebung und par— teiischer finanzieller Belastung hervorgetreten. S. Band IV Buch XIII Kapitel 2 Nr. V. S. Band IV Buch XIII Kapitel 3 Nr. III.