330 Fünfzehntes Buch. Zweites Kapitel. Max dachte noch in seinen letzten Jahren an eine Reichsreform des Ritterrechts; wir wissen, daß er damit gescheitert ist!. Darauf folgten die bewegten Zeiten der Kaiserwahl Karls; die Ritter wirkten während der entscheidenden Tage im Sinne der öffentlichen Meinung der Nation ein; Sickingen trat auf die Seite des jungen Kaisers; er ließ davon ab, den Wormser Reichstag zu beunruhigen?: es konnte scheinen, als ob sich die Ritter politisch zusammenraffen, als ob sie sich klug der ihnen ungünstigen Wendung der gesamten deutschen Entwicklung fügen würden. Allein die Haltung der Ritter im Beginne der Regierung Karls blieb nur ein Zwischenspiel. Wie hätte man auch glauben können, daß einige politische Ereignisse das Bewußt— sein von der Anderungsfähigkeit und Anderungsnotwendigkeit ihrer sozialen Lage würden beseitigt haben! In der Tiefe gärten die Gegensätze weiter, und schon hatten die dumpfen Emanzipationsgelüste des Adels mit den großen revolutionären Richtungen des Zeitgeistes Verbindung gesucht, mit Reforma— tion und Humanismus. Der Vermittler nach beiden Seiten und damit die den Bestrebungen des Adels auf Jahre hin unentbehrlichste Person war Ulrich von Huttens. Ein Mann in den besten Jahren reifender Mannesstärke, trotz unheilbarer Krankheit von un— glaublicher Energie der Lebenslust, nach Freiheit dürstend, von den stärksten Phantasieen getrieben, soweit es Größe und Glück seines Standes galt, dabei begabt mit allen Mitteln demokratischer Beredsamkeit, wenn auch nicht ohne aristokratische Formgebung, kein großer Gelehrter, kein her— vorragender Dichter, aber ein Agitator von Gottes Gnaden, offen und wunderbar eingehend endlich auf alles geistig Große, schien er recht eigentlich zu der ihm gerade jetzt bestimmten Stellung geboren. Seit Januar 1520 war er von den Höfen, S. oben S. 46. 3 S. oben S. 284. s S. über ihn schon oben S. 200 ff.