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        <title>Deutsche Geschichte</title>
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            <surname>Lamprecht</surname>
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      <div>20 Vierzehntes Buch. Erstes Kapitel. 
empfunden; ein deutscher Edelmann, Wilwolt von Schaumburg, 
hat ihn wohl mit dem Verbrechen der Juden an Christus ver— 
glichen. Noch mehr als im Kampfe um Neuß regte sich das 
kriegerische Gewissen der Nation, Kaiser Friedrich konnte mit 
einem nicht unbedeutenden Heere an die Grenzen der Nieder— 
lande ziehen, und Max ward am 16. Mai 1488 seines 
Gefängnisses ledig. Darauf wurde die Züchtigung der über— 
mütigen Vlaamen dem Herzog Albrecht von Sachsen, einem 
der reichstreusten Fürsten und besten Feldherren der Zeit, über— 
tragen und von ihm bis zum Oktober 1489 erfolgreich durch— 
geführt; König Max selbst wandte sich den Verhältnissen im 
Centrum und Südosten des Reiches zu. 
Vornehmlich in Schwaben, Franken und Bayern hatten 
sich in den sechziger Jahren des 15. Jahrhunderts die größten 
Gegensätze der fürstlichen Parteiungen abgespielt. Führer waren 
die Wittelsbacher“ auf der einen Seite, auf der andern der 
Hohenzoller Albrecht Achilles von Ansbach gewesen. Von 
ihnen beruhte die Macht der Wittelsbacher mehr auf dauernder, 
territorialer Grundlage; Albrecht verfügte in erster Linie nur 
über seine groß angelegte Persönlichkeit. 
Nun war aber Albrecht im Jahre 1471 zum Kurfürsten von 
Brandenburg aufgerückt und dadurch den süddeutschen Händeln 
mehr oder minder entzogen worden. Die Folge war, daß die 
Wittelsbacher mächtig um sich griffen. Vor allem auch gegen⸗ 
über OÖsterreich. Albrecht IV. von Bayern-⸗München wußte sich 
mit dem Herzog Sigmund von Tirol und Vorderösterreich so 
gut zu stellen, daß dieser, ohne legitime Erben, dabei lustig 
und verschwenderisch, wie einst Herzog Welf zu staufischer Zeit, 
seit Ende der siebziger Jahre Stück für Stück seiner Herrschaft 
an die bayrischen Wittelsbacher zu verpfänden begann, bis er 
das Ganze in den Jahren 1486 und 1487 an sie verkaufte. 
Damit erlangten die Wittelsbacher die Aussicht auf den Erwerb 
von ganz Schwaben; denn wie sollten die kleinen Zwischengebiete 
zwischen ihrem Stammesbesitz und dem erworbenen Vorder— 
österreich auf die Dauer widerstehen können? 
Gegenüber dieser Aussicht gedachten sich aber die kleinen</div>
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