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        <title>Deutsche Geschichte</title>
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            <surname>Lamprecht</surname>
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      <div>232 Fünfzehntes Buch. Erstes Kapitel. 
den römischen Kirche in Augustin, und die des späteren Mittel— 
alters in der deutschen Mystik, vornehmlich Tauler. 
Die Schriften Augustins hatte Luther schon sehr früh kennen 
gelernt, dann aber anscheinend eine Zeit lang zurückgeschoben. 
Nun nahm er sie wieder zur Hand, und er fand sich mit ihnen 
eins in dem Bewußtsein einer völligen, rückhaltlosen per— 
sönlichen Hingabe an Gott; es ist bezeichnend, daß er von 
Augustin nichts lieber gelesen hat, als die Konfessionen. Dem— 
entsprechend ward er kühn genug, die Theologie als indifferent 
gegenüber jenen mittelalterlichen Dogmen zu denken, die man 
nicht überzeugt zu erleben, sondern nur äußerlich für wahr zu 
halten brauchte. Theologie wurde ihm zum bewußten und 
konsequent zur eigenen Lebensführung angewandten Bekenntnis 
persönlicher Zuversicht zur göttlichen Gnade. Aber diese Gnade 
erschien nun Luther nicht — und hiermit ging er über Augustin 
hinaus — als theoretisch aus dem Begriffe Gottes zu er— 
schließen, sondern vielmehr als rein geschichtlich offenbart 
und in Christi Wort und Werk erreichbar und zu genießen. 
„Wer Gott erkennen und ohne Gefahr von Gott spekulieren 
will, der schaue in die Krippe, hebe unten an, und lerne erst— 
lich erkennen der Jungfrau Maria Sohn, geboren zu Beth⸗ 
lehem, so in der Mutter Schoß liegt und säugt oder am 
Kreuze hängt. Darnach wird er fein lernen, was Gott sei. 
Solches wird alsdann nicht schrecklich, sondern aufs allerlieb— 
lichste und tröstlichste sein. Und hüte sich ja vor den hohen 
fliegenden Gedanken, hinauf in den Himmel zu klettern ohne 
diese Leiter, nämlich den Herrn Christum in seiner Menschheit, 
wie ihn das Wort vorschreibt rein einfältiglich; bei dem 
bleibe, und laß dich die Vernunft nicht davon abführen, so er— 
greifst du Gott recht.“ 
Was Luther hier in späterer Zeit abgeklärt lehrt, das mag 
an die Erfahrungen streifen der Jahre, da er über Augustin 
hinaus Tauler kennen lernte. Es ist der über die My— 
stik hinweggehende, indes immerhin in klarer Fortbildung 
mittelalterlicher Kontemplation weiter verlaufende Einschuß 
deutsch⸗religiöser Anschauung überhaupt, der hier zu Tage</div>
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