Protestantismus und Gegenreformation im Reiche. 683 Bischöfe des Landes, die von jeher, weil vom König mit aus— erwählt, wichtige Stützen der habsburgischen Herrschaft gewesen waren; und gleichzeitig trieb ihn sein religiöser Standpunkt zur Gegenreformation. Es waren höchst unvorsichtige, ja verhängnisvolle Schritte. Ihre Wirkung ward vergrößert durch äußere Vorgänge in Siebenbürgen. Dort, in dem kürzlich erst für Osterreich ge⸗ wonnenen Lande, erhob sich ein reicher Magnat, Stephan Bocskay, als selbstäundiger Herrscher. Bei der allgemeinen Unzufriedenheit in Ungarn war es für ihn ein Leichtes, in dies Land vorzurücken; er ward nach kurzem Zaudern auf dem Reichstage von Szerencs im Jahre 1605 zum Herrscher von Ungarn und Siebenbürgen gewählt und noch in gleichem Jahre von den Türken als ungarischer König anerkannt: mit einem Schlage schien die habsburgische Herrschaft jenseits der Leitha zertrummert. Und das zu einer Zeit, da in den Donau— herzogtuͤmern die Saat der Gegenreformation in inneren Zwisten reifte, in der sich in Oberösterreich wie in Niederösterreich katholische wie evangelische Stände zum Schutze ihres Glaubens zusammengethan hatten. Rudolf stand dieser Lage ebenso eigenwillig als hilflos gegenüber. Da traten die Erzherzöge zum Schutze ihres Hauses ein. Rudolf mußte erleben, daß seine Brüder Mathias und Maximilian und seine Vettern Ferdinand und Marximilian Ernst von der steirischen Linie ihn zwangen, Mathias zur Liquidation der bisherigen Politik in Ungarn und zum Abschluß eines Friedens mit den Türken zu bevollmächtigen. Mathias, der einstige Statthalter der Niederlande!, der spätere Kaiser, unterzog sich dieser ersten wichtigen politischen Aufgabe, die ihm in der Heimat ward, mit unerwartet großem formalem Geschick. Den Ungarn bewilligte er selbständige Verwaltung ihres Landes und freie Religionsübung der Adligen, Freistädte, Marktflecken und Grenztruppen; dafür trat er mit Zustimmung Rudolfs an die Spitze der ungarischen Regierung. S. oben S. 587 ff.