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        <title>Deutsche Geschichte</title>
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            <surname>Lamprecht</surname>
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      <div>LKirchliches und politisches Reifen des Protestantismus. 365 
nicht wie diejenigen der alten Kirche in der Praxis eines reich 
entwickelten Kultus, drohten im Bereiche der neuen lehrhaften 
Kirche die Bedürfnisse des Gemüts erst recht ins Hintertreffen 
zu geraten. Dem gegenüber fand sich ein Mittel, das die neue 
Geistlichkeit wieder mit allen Regungen des Herzens praktisch 
und in dauerndem Selbsterlebnis der Gemeinde verband: das 
Familienleben, die Verheiratung. Luther hat auch hier, nach— 
dem schon einzelne Pfarrer vorausgegangen waren, doch durch 
sein Beispiel und Vorbild den Ausschlag gegeben. 
Luthers Ehe, die am 13. Juni 18525 geschlossen ward, ist 
kein Ergebnis sinnlich gewandter Liebe, ja auch nur edleren 
gegenseitigen Gefallens im Sinne der Erlebnisse gewöhnlichen 
Liebeslebens gewesen. Dazu war die Zeit des Bauernkrieges, 
in der sie geschlossen ward, zu ernst, und der Entschluß zu ihr 
zu nüchtern. „Wenn ich,“ hat Luther später einmal am Mit— 
tagstische, also wohl in Gegenwart seiner Frau, erzählt, „vor 
13 Jahren hätte freien wollen, so hätte ich Ave Schönfeld ge— 
nommen, die jetzt der D. Basilius, der Medicus in Preußen, 
hat. Meine Käthe hatte ich dazumal nicht lieb, denn ich hielt 
sie verdächtig, als wäre sie stolz und hoffärtig. Aber Gott gefiel 
es also wohl, der wollte, daß ich mich ihrer erbarmte. Und ist mir, 
Gott Lob, wohl geraten, denn ich habe ein frommes getreues 
Weib, auf welches sich des Mannes Herz verlassen darf, wie 
Salomo sagt: Sie verdirbt mir's nicht.“ Man sieht: keine 
UÜberschwenglichkeiten, aber ein durch und durch vom edelsten 
Bemütsleben gesättigtes gemeinsames Dasein in Scherz und 
Ernst, in Freude und Schmerz. Es ist der Anfang jenes eigen⸗ 
artigen Familienlebens des evangelischen Pfarrhauses, dem 
unsere Nation nicht bloß eine unverhältnismäßig große Anzahl 
bedeutender Männer, sondern noch vielmehr einen niemals ver— 
siegten Quell edelster gemütlicher Anregung verdankt. Und war 
in späteren Zeiten die Gefahr nicht ausgeschlossen, daß sich aus 
dem Stande der evangelischen Geistlichkeit eine Hierarchie, aus 
der evangelischen Glaubensgemeinschaft eine Sakramentsanstalt 
entwickele, so ist dem bisher der Geist des evangelischen Pfarr— 
hauses in seinen besten Söhnen immer sieghaft entgegengetreten:</div>
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