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        <title>Deutsche Geschichte</title>
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            <surname>Lamprecht</surname>
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      <div>412 Fünfzehntes Buch. Drittes Kapitel. 
—ADDD 
politische Bestrebungen in Lübeck scheiterten und da in Westfalen 
das wiedertäuferische Königtum zu Münster, nicht zum geringsten 
durch die Anstrengungen Philipps von Hessen, unterdrückt ward!. 
Diese innere Stärkung und äußere Ausdehnung der poli— 
tischen Stellung der Evangelischen veranlaßte naturgemäß auch 
eine immer weitere Verbreitung ihrer Lehre. In Süddeutsch— 
land hing ihr jetzt nicht bloß die Bevölkerung auch der kleineren 
Territorien an, selbst in den deutschen Kernlanden Ästerreichs, 
ja darüber hinaus, namentlich in Ungarn faßte sie Fuß. König 
Ferdinand mußte das Traurige erleben, daß sogar an seinem 
Hof sich lutherische Sympathien erhoben, denn namentlich der 
Adel war in Österreich der Reformation günstig gesinnt, und 
an der Spitze der frei Denkenden und darum Verdächtigen 
ttand seine eigene Schwester, die ungarische Königin Maria. 
Wie mußte dies alles um so mehr in Norddeutschland 
wirken! Hier schien es, als sei der vollkommene Sieg des 
Evangeliums nur noch eine Frage kurzer Zeit. Nachdem im 
Jahre 1534 Pommern und Anhalt gewonnen worden waren, 
wurde seit der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre auch im 
Calenbergischen offen zur Reformation übergegangen, und etwa 
zleichzeitig trat Heinrich von Sachsen, der Bruder Herzog 
Georgs, dieses treuen katholischen Hortes in Mitteldeutschland, 
dem Schmalkaldner Bunde zu. Als dann Herzog Georg im 
Jahre 1537 seinen älteren Sohn Johann durch den Tod 
verlor und nun das Nachfolgerecht an den nachgeborenen 
schwachsinnigen Friedrich kam, war auch der Übergang 
des Herzogtums Sachsen zum Protestantismus vorauszusehen. 
Er erfolgte, freilich nicht unter Führung des mittlerweile 
gestorbenen Friedrich, sondern unter dem Regiment von 
Beorgs Bruder Heinrich, alsbald, nachdem Georg am 17. April 
1539 gestorben war. Damit war Brandenburg jetzt das einzige 
größere noch katholische Territorium im Nordosten. Aber auch 
hier zog das Evangelium ein. Im Jahre 15385 starb Kurfürst 
Joachim, der hartnäckigste Verteidiger der alten Kirche. Von 
1 Val. Band IV Buch XIII Kapitel 3 Nr. V und oben S. 357.</div>
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