<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Deutsche Geschichte</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Karl</forname>
            <surname>Lamprecht</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>1892066122</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>Kämpfe der Protestanten; Religionsfriede von 1555. 419 
Und wirklich hat die eigenartige Wendung einige Zeit vor— 
gehalten. Als im Herbst 1539 in Gent Unruhen ausbrachen, 
nicht ohne Zusammenhang mit früheren Aufständen der Jahre 
1531 und 1532 und in gewisser Verbindung mit den religiösen 
Bewegungen in Holland, da hat Franz J. dem Kaiser zur 
rascheren Unterdrückung der Bewegung die Durchquerung Frank⸗ 
reichs angeboten und der Verlockung, sich mit den flandrischen 
Revolutionären zu verbünden, widerstanden. Wesentlich dieser 
Hilfe hatte es Karl zu danken, wenn er den Genter Aufstand 
rasch bewältigte. Es war eine Stärkung seiner Macht in 
den Niederlanden, die in den kommenden Jahren, als die Ver— 
hältnisse am Niederrhein und in den belgisch-holländischen Ge— 
hieten mehr hervortraten, besondere Bedeutung erhielt. 
Allein schon im Laufe des Jahres 1540 trat die alte Lage 
wiederum ein: überall bemerkte man von neuem französische 
Umtriebe gegen die Herrschaft Karls, in der Türkei, in Italien, 
an den westlichen Grenzen Deutschlands. Es war klar, daß 
sich Karl vor Frankreich fast weniger sicher befand, als wenn 
er in offenem Krieg mit ihm gestanden hätte: mit seinem 
Widerstand mußte er auch bei der Behandlung der deutschen 
Fragen, namentlich des Protestantismus, rechnen. 
Hier hatte inzwischen Papst Paul III. den alten Wunsch 
des Kaisers erfüllt; ein Konzil war zwar nicht zu Mantua, wie 
ursprünglich die Absicht, wohl aber zu Vicenza zusammengetreten. 
Allein es hatte keinen Erfolg gebracht; nach vergebenen Ver—⸗ 
handlungen war es am 21. Mai 1589 auf unbestimmte Zeit 
bertagt worden. 
Der Kaiser war damit wieder auf sich gestellt; er konnte 
sich als oberster Hort der Christenheit erscheinen; er konnte 
ähnlich wie Kaiser Sigmund zu dem Versuche fortschreiten, die 
religiöse Frage von sich aus lösen zu wollen. In der That 
ging er jetzt mit dem längst herkömmlichen Mittel der Religions— 
gespräche vor und vermochte auch die Kurie, amtlich an diesen 
teilzunehmen. Und in der gleichen Richtung kamen ihm auch 
Vorschläge der Protestanten entgegen; schon seit Juni und 
Juli 1540 konnte daher eine erste „Christliche Vergleichung“ in</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
