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        <title>Deutsche Geschichte</title>
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      <div>Kämpfe der Protestanten; Religionsfriede von 1555. 441 
setzungsrecht für die beisitzenden Räte des Reichskammergerichts, 
bisher ständisch, wurde dem Kaiser überlassen. Wichtiger war 
für den Kaiser, daß das Verhältnis der Niederlande zum Reiche 
am 26. Juni 1548 in der Weise geordnet ward, daß die Lande 
zwar nunmehr völlig in die Finanz- und Militärverfassung des 
Reiches eintraten, aber gleich den Schweizern der Unterstellung 
unter das Reichskammergericht entzogen wurden: also nur noch 
„Anverwandte“ des Reiches sein sollten. 
Es war eine Maßregel, der die Überweisung der Nieder— 
lande an Philipp, den Sohn des Kaisers, nicht an Maximi— 
lian, den späteren Kaiser Max II. und Sohn König Ferdinands, 
zur Seite lief: Philipp, obgleich Vollblutspanier, sollte auf 
diese Weise im Reiche in besonderer Selbständigkeit heimisch 
werden, um dereinst an seines Vaters Statt dessen Krone tragen 
zu können: es war die erste Vorbereitung für eine spätere Wahl 
Philipps zum deutschen König. 
Dringlicher indes, als diese Aussichten, erschien jetzt vor 
allem die Regelung der kirchlich-religiösen Angelegenheiten der 
Protestanten. Und hier war die Lage insofern schwierig genug, 
als die Spannung zwischen Papst Paul III. und dem Kaiser 
inzwischen den höchsten Grad erreicht hatte. Der Papst wünschte 
für sein Haus die Erwerbung von Parma und Piacenza: der 
Kaiser trat dem entgegen; die Kurie fühlte sich in Italien 
nicht frei, solange die Halbinsel allein in der Hand der Spanier 
war: Karl ging immer kräftiger in Italien vor, und deutlicher 
bereits schien die Möglichkeit einer erneuten kaiserlichen Theo— 
kratie bevorzustehen, der der Papst nur noch als Bischof von 
Rom gelten werde. 
Unter diesen Gegensätzen war das Konzil von Trient am 
13. Dezember 1545 zusammengetreten; von Anbeginn nahm es 
einen den kaiserlichen Wünschen entgegengesetzten Verlauf. An— 
fang 1547 war dann der Gegensatz zwischen Papst und Kailer 
soweit verschärft, war die Furcht in Rom vor einem allzu voll— 
ständigen Sieg des Kaisers über die Protestanten soweit ge— 
diehen, daß der Papst seine Truppen mitten in der Kreuzfahrt 
gegen Hessen und Sachsen dem kaiserlichen Kommando entzog. 
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