372 Fünfzehntes Buch. Drittes Kapitel.
Sachsen im Centrum des Reiches, auf mutterländischem Boden
nur noch wenige Fürsten schon völlig entschieden zur Reforma—
tion, so der Pfalzgraf Ludwig von Veldenz und der Markgraf
Philipp von Baden im Süden, und im Norden eine Anzahl
niedersächsischer Fursten. Was half es dem gegenüber, wenn
die peripherischen, mehr oder minder republikanischen Landes—
teile des alten Reichs überwiegend dem neuen Glauben folgten,
so die Schweiz, Schleswig-Holstein, Ostfriesland, wenn selbst
einige wichtige Fürsten der kolonialen Gebiete, namentlich der
Hochmeister des Deutschordens, ihm beitraten? Von einer
politischen Übermacht der Reformation in den entscheidenden
Teilen des Reichsgebietes konnte einstweilen nicht die Rede sein.

Von grundlegender Bedeutung aber war es immerhin, daß
sich überhaupt Reichsstände, Fürsten wie Städte, gefunden hatten,
die dem neuen Glauben treu gesinnt waren. Damit war die
Reformation vertreten in den obersten Verfassungskörpern des
Reichs; damit erhielten ihre Interessen Zusammenhang mit der
Geschichte der alten und neuen Kombinationen ständischer Macht
im Reich; damit mußte sie nach ständischem Herkommen ein
Mittel bilden zur Trennung der Stände in Bünde und Gegen—
bünde; damit genoß sie einer selbständig zum Ausdruck ge—
langenden politischen Wertung.

Am frühesten wurde dieser Zusammenhang von der Kurie
erkannt und ausgenutzt: konnte er doch bei dem noch be—
stehenden starken Übergewicht der katholischen Stände vielleicht
zur politischen Vernichtung der religiösen Bewegung führen.
Als der Legat Campeggi auf dem Nürnberger Reichstag des
Jahres 1524 mit seinen Forderungen gegenüber den zögernden
Ständen nicht durchdrang, wußte er am 6. und 7. Juli 1524
besonders treue katholische Mächte, süddeutsche Bischöfe, ster—
reich und Bayern auf einem Tage zu Regensburg auf Grund
des Wormser Edikts gegen die Ketzer zu vereinigen; und bald
ging dieser Bund auf Erweiterung aus.

Das veranlaßte auf evangelischer Seite eingehende Be—
ratungen der Reichsstädte Süddeutschlands wie der evangelischen
rheinischen Grafen; auf einer Tagung in Speier beschloß man.,