380 Fünfzehntes Buch. Drittes Kapitel.
zösischen Heerführers Lautrec, die dieser in dem großen Parke
der Villa Bicocca bei Mailand am 27. April 1522 bei einem
Versuche, Mailand wieder zu erobern, erlitt: es war ein erster
glänzender Sieg der deutschen Landsknechte unter Georg von
Frundsberg über die übermütigen, in französischem Solde
stehenden Reisläufer der Schweiz. Nun konnte England nicht
umhin, ganz auf kaiserliche Seite zu treten; am 22. Mai 1522
sagte ein englischer Herold König Franz förmlich den Krieg
an. Und in Italien traten Venedig und schließlich auch Papst
Hadrian, der Leo X. am 9. Januar 1522 gefolgt war, wenn
auch schweren Herzens, mit dem Kaiser ins Bündnis. Fast
wichtiger aber erschien, daß dem Kaiser von Frankreich selbst
her Hilfe kam. Der Herzog Karl von Bourbon, Connetable
Frankreichs, war von König Franz schwer gekränkt worden; er
schloß im Juli 1522 mit Karl ein Schutz- und Trutzbündnis,
er trat im September offen zu ihm über, und man erwartete,
daß seinem Beispiel mancher französische Edelmann folgen
werde.
So schien es nur noch eines letzten großen Angriffs auf
Frankreich, eines konzentrischen Vorgehens aller kaiserlichen
Bundesgenossen und des Kaisers selbst zu bedürfen — und
das verhaßte Land lag am Boden.

In der That griff Heinrich VIII. von England im Herbst
1523 an; hinweg ging er über alle Bedenken, die sein Staats—
mann Wolsey gegen die völlige Vernichtung Frankreichs vor—
brachte; er träumte von einer neuen englischen Herrschaft an
den Ufern der Seine und Loire; seine Truppen, mit den
niederländischen vereint, standen Ende Oktober vor Compiogne
und Senlis; in Paris begann man zu flüchten.

Und schon hatten die Franzosen auch Italien räumen
müssen, und seit 1324 drang Bourbon als Heerführer in kaiser—
lichen Diensten stattlich vor; am 19. August lagerte er vor der
Seefeste Marseille; um Allerheiligen. rühmte er sich, werde er
in Varis sein.

Der Einzige, der mit dem Vormarsch von Spanien und
Deutschland her zögerte, war der Kaiser. Es ist unverständ—