382 Fünfzehntes Buch. Drittes Kapitel.
wegen eines französischen Beuteanteils abgewiesen, schloß am
30. August 1525 mit Frankreich einen einseitigen Frieden.
In Italien regte sich überall die Ansicht, jetzt oder nie sei die
Zeit gekommen, durch energisches Auftreten gegen Karl das
Land von Franzosen und Kaiserlichen zugleich zu befreien. In
Frankreich erweckte die Kunde von der Gefangenschaft des
Königs das Nationalgefühl in ungeahntem Maße; bald er—
schien das Land ohne König stärker, als vorher mit ihm.

Karl schien alle diese Vorzeichen künftigen Sturmes nicht
zu sehen; trotz der Warnungen seines klarsichtigen Kanzlers
Gattinara schloß er mit dem gefangenen Franz J. den exorbitanten
Frieden von Madrid. Nach ihm sollte Franz alle Ansprüche in
den Niederlanden und in Italien fallen lassen, Burgund in der
Ausdehnung, in der es Karl der Kühne besessen hatte, abtreten,
seine Flotte zur Verfügung Karls stellen und Bourbon zurück—
führen; und dieser neue Zustand der Dinge sollte durch die
Vermählung Franzens mit Eleonore, einer Schwester Karls,
besiegelt werden.

König Franz hat am 183. Januar 1526 diesen Frieden
unter seinem Eide auf Ritterehre zu halten versichert, nachdem
er einen Tag vorher vor seinem Gesandten in Madrid und
vor einigen anderen Franzosen feierlich gegen ihn protestiert
hatte, indem er sich aller erzwungenen Zugeständnisse entband:
er dachte nicht daran, ihn zu halten. Auch der Umstand, daß
er seine Söhne Karl als Bürgen des Friedens überlassen mußte,
hinderte ihn nicht, nur der Größe Frankreichs zu leben; als
er sich wieder auf dem Boden seines Landes befand, rief er
entzückt aus: Maintenant je suis roi, je suis roi encore!

Es war klar, daß dem Kaiser der Erfolg von Pavia in
Begriff war, unter den Händen zu zerrinnen; das Jahr 1526
begann mit der erneuten Sammlung aller seiner Geaner.

Bis zum Jahre 1826 hatten sich die Schicksale des Kaisers
und des Hauses Habsburg in Bahnen bewegt, die der Ent—