384 Fünfzehntes Buch. Drittes Kapitel.
Und gleichzeitig mit dieser Erhebung der außerdeutschen
Mächte des Südostens seit der Mitte des 15. Jahrhunderts
hatte sich eine tiefgreifende Reaktion gegen alles Deutsche
jenseits der Grenzpfähle des Reiches entwickelt; die deutschen
Kolonisten des platten Landes wurden geplagt, den Städten
der einst ausschließlich deutsche Charakter nach Kräften ge—
nommen; es ist die erste große Schädigung unserer Nationalität
im Südosten. Freilich zeigte sich bald, daß die Kultur der
Slawen und Magyaren allein noch nicht imstande war, auf
eigenen Füßen zu stehen. Die Staaten zerfielen; überall drängte
der niedere Adel reaktionär gegen die Kräfte des Königtums
an. Und das zu einer Zeit, da von Osten her neue Gefahren
mächtig herandrohten. Hier war jetzt das alte Reich von Byzanz
oöllig gestürzt; der Türke drängte das Donauthal herauf, und
gegen Polen begann sich in dem Großfürstentum Krakau eine
hdald gefährliche Macht zu bilden.

In dieser Lage mußte den Deutschen wiederum ein ver—
größerter Einfluß im Südosten zufallen, sobald sie entschlossen
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Türken in sich zu verkörpern. Und eine Bereitwilligkeit in dieser
Richtung, mochte sie nun weitergehen oder enger begrenzt sein,
konnte nicht anders als dem österreichischen Zweige des Hauses
Habsburg zu gute kommen.

Dabei hatte noch Kaiser Max dafür gesorgt, daß den all—⸗
gemeinen Notwendigkeiten politisch-konkrete Zusammenhänge zur
Seite gingen. Die mehrfachen alten Erbansprüche seines Hauses
auf Böhmen und Ungarn aus dem 15. Jahrhundert hatten ihm
nicht genügt; er hatte im Jahre 1515 neue, auf Verlobungen
begründete Anrechte hinzugefügt, ganz im Sinne seines Vaters,
dem Politik die Stärke zu hoffen gewesen war. König Wladis—
laus von Ungarn und Böhmen hatte zwei Kinder, Anna und
Ludwig; Ludwig ist ihm im Jahre 1516 als König nachgefolgt.
Von ihnen ward nach den Abmachungen des Jahres 1615 Anna
1521 mit Erzherzog Ferdinand, Ludwig II. 1522 mit Ferdinands
Schwester Maria, beides Enkeln Kaiser Maxens, vermählt. So