Kirchliches und politisches Reifen des Protestantismus. 385
war der Anfall beider Reiche an Österreich doppelt gesichert.
Und rascher, als man ahnen konnte, trat er ein.

Die Türkenmacht war von Sultan Selim J. wesentlich
Kleinasien, Persien und Agypten zugewendet worden; von seinem
Nachfolger Suleiman II. (von 1520 ab) wurde sie wieder gegen
Westen gekehrt. Fast gleichzeitig erfolgten schon in den Jahren
1521 und 1522 Angriffe im Donauthal und im Mittelmeer;
Ungarn litt unter türkischen Scharen, und Rhodus ging aus
den Händen der Johanniter über in türkischen Besitz (22. Dezbr.
1522). In den folgenden Jahren wurden dann vor allem die
Ziele an der Donau mit Macht verfolgt. Und nur vier Jahre,
und es kam für Ungarn zur Katastrophe. Im Sumpflande von
Mohacs ward am 27. August 1526 das letzte kleine Ungarn—
heer besiegt; Ludwig II. fiel; Suleiman feierte den kleinen
Bairam zu Ofen; schon zitterte Deutschland. Aber es lag
nicht im Wesen der türkischen Militärdespotie, sich dauernd in
so weit entfernten Ländern einzurichten; drängte ihre ganze
Organisation zu anhaltender kriegerischer Bethätigung und somit
zu immer wiederholten Angriffen auch auf Mitteleuropa, so
entbehrte sie doch der Mittel, das militärisch Errungene zäh zu
halten. Wie später im Jahre 1529 nach der Belagerung Wiens
zog das türkische Heer bald wieder ab, und der Gewinn des
Vorstoßes fiel an das Haus Hsterreich.

Mit dem Tode Ludwigs II. war die ungarische wie die
böhmische Krone erledigt. Sofort begann Ferdinand um sie
zu werben. Und trotz seiner finanziellen Bedrängnis, trotz
einer freilich ungeschickt vertretenen bayrischen Gegenkandidatur
in Böhmen, trotz des einheimischen Gegenkönigtums des Ma—
gnaten Johann Zapolya in Ungarn, der sich sofort mit Frank—
reich verband, erreichte er sein Ziel. In Prag wurde er am
24. Februar, in Stuhlweißenburg am 3. November 1527 gekrönt.

Es war die Begrundung der österreichischen Monarchie.
Lagen Schicksale und Ziele des neuen, rein dynastischen Staats⸗
wesens noch verschleiert, so war für die Zeitgenossen doch darüber
kein Zweifel möglich, daß Ferdinand von nun ab im Reiche