386 Fünfzehntes Buch. Drittes Kapitel.
nicht mehr bloß der machtlose Statthalter seines Bruders sein
werde. Und mochten die nächsten Jahre auch noch schwere
Sorgen um das Erworbene bringen, so namentlich das Jahr
1529 mit dem erneuten Vormarsch der Türken bis zur Er—
oberung Wiens: immerhin stand jetzt fest, daß von dem geeinten
Südosten her und von den mit diesem Südosten verquickten
Interessen des Hauses Habsburg aus ein bisher unbekannter
Einfluß namentlich auf den Süden Deutschlands, aber auch
weiter über das ganze Reich hin werde geübt werden.

Das mußte um so rascher hervortreten, als sich im Ver—
laufe der Jahre 1326-1529 auch die Lage des Kaisers über
Erwarten günstig gestaltete.

Nach dem Frieden von Madrid war es, nachdem König
Franz vom Papste seines Karl V. geschworenen Eides entbunden
worden war, in der Liga von Cognac vom 22. Mai 1526 zu
einem neuen Bund gegen Karl V. gekommen, in dem sich unter
Zustimmung und moralischer Protektion Englands Frankreich
und die italienischen Hauptstaaten, der Papst, Venedig, Florenz
und Mailand zusammengefunden hatten. Es war damit eine für
Karl V. äußerst kritische Lage geschaffen, falls die italienischen
Bundesgenossen rasch und energisch in den Kampf eintraten.

Allein gerade hieran mangelte es, soviel in Italien,
namentlich Venedig, von der künftigen Freiheit des Landes ge—
redet ward. Und Karl wußte in Italien den wundesten Punkt
des Bündnisses zu treffen. Er ging unmittelbar gegen Papst
Clemens VII. vor, der stets zu Schwankungen geneigt war,
der sich zudem durch andere als die finanziell so lastenden kriege⸗
rischen Waffen bekriegen ließ. Nach einigen früheren Aus—
einandersetzungen und nach einem vergeblichen Friedensangebot
vom Juli 1526 richtete der Kaiser an den Papst eine Denk—
schrift, die am 12. Dezember 1526 zu Rom in möglichst ein—
dringlicher Form mit großem Pompe überreicht ward, und die
der erstaunten Welt den tiefen Gegensatz zwischen den beiden
Universalgewalten in der dem Papsttum fürchterlichen Forderung
eines allgemeinen Konzils enthüllte. Und bald folgte der
Schwüle dieses geistigen Kampfes ein schreckliches militärisches