388 Fünfzehntes Buch. Drittes Kapitel.
nicht lange, so belagerte er die Haͤuptstadt von der Landseite,
während der genuesische Admiral Doria sie von der See her
umschloß. Gleichzeitig verhandelte Venedig mit der Türkei über
einen Einfall ins obere Donauthal, um Ferdinand von der
Unterstützung Karls in Italien abzuhalten: die Lage ward für
den Kaiser im höchsten Grade kritisch; es schien, als sollte seine
Weltmacht von Neapel her aufgerollt werden.

Da halfen ihm unvorhergesehene Zwischenfälle. Das
französische Heer vor Neapel wurde von der Pest vernichtet;
Doria, von den Franzosen nicht nach Gebühr behandelt, ging
am 4. Juli 1528 zum Kaiser über. Es war das Ende des
italienischen Widerstands; bald hatte der Papst, in der Ge—
fangenschaft mürbe geworden, seinen Frieden mit dem Kaiser
gemacht; unter dem Schutze kaiserlicher Truppen kehrte er am
6. Oktober 1528, nun eine Kreatur des Kaisers, nach Rom
zurück.
So war Frankreich nur noch auf England angewiesen.
Aber hier begann eben das Interesse an der kontinentalen
Politik zurückzutreten; die tollen Liebeshändel Heinrichs VIII.
fingen an, die Welt zu beschäftigen, und das Land trieb der
Absetzung Wolseys und inneren Unruhen entgegen.

Konnte jetzt König Franz allein noch dem Kaiser wider—
stehen? Zum mindesten schien eine Verteilung der Kräfte
erreicht, die zu einem gegenseitigen Verschnaufen der unerbitt—
lichen Gegner Anlaß geben konnte. Es waren vor allem die
Frauen in den beiden fürstlichen Lagern, die diese Lage er—
kannten, Luise von Savoyen, die Tochter Franz J., Eleonore,
die Braut König Franzens und Schwester Karls, und die Statt—
halterin der Niederlande Margaretha, die Tochter Kaiser Maxens
und also Tante Karls. Sie suchten echt weiblich die Ver—
mittelung; ihnen wird der Damenfriede von Cambray, vom
5. August 1529, verdankt. Nach diesem Frieden wurden die
Söhne Franzens, die sich noch im Gewahrsam Karls V. befanden,
gegen Zahlung von 2 Mill. Goldthalern freigegeben; Frankreich
ließ seine italienischen Bundesgenossen fallen und verzichtete auf