Kirchliches und politisches Reifen des Protestantismus. 401
Protestantismus verdammt; mehr wie andere ermangelte er
auch bei der eigenartigen Lage des Kaisers, der nunmehr in
Wirksamkeit getreten war, der Ausführung.

Konnte der Kaiser als Führer der protestantenfeindlichen
Bewegung auf die getreue Hilfe der kaiserlichen Reichsstände
hoffen? Fast nur Georg von Sachsen, dieser ehrliche, aber bei
seinen katholischen Reformbestrebungen etwas unbequeme Gegner
der Reformation, war als sicherer Bundesgenosse zu betrachten,
daneben wohl noch Kurfürst Joachim von Brandenburg und
allenfalls Herzog Heinrich von Braunschweig. Aber sie regierten
in Mitteldeutschland und im Nordosten; auf süddeutsche und
vestdeutsche Hilfe vor allem kam es an.

Karl versuchte hier zunächst die habsburgische Macht
selbst zu befestigen, indem er die vollste Interessengemeinschaft
mit seinem Bruder Ferdinand herstellte. Nachdem er ihn auch
förmlich und öffentlich in die selbsteigene Herrschaft der süd—
deutsch-habsburgischen Länder eingesetzt hatte, vermochte er die
Kurfürsten, mit Ausnahme Johanns von Sachsen, ihn am
5. Januar 1531 in Köln zum römischen König zu wählen: es
var ein, wenn auch nicht in jeder Hinsicht runder Erfolg.
Jedenfalls war damit etwa künftig erneuten Versuchen der
Fursten, das Reichsregiment in Abwesenheit des Kaisers wieder⸗
herzustellen, ein starker Riegel vorgeschoben; nun herrschte der
König an Kaisers Statt; die föderalistischen Ideen, an sich durch
die religiöse Bewegung längst in den Hintergrund gedrängt,
erschienen nun völlig beseitigt.

Indes mit diesem Erfolge entfremdete sich Karl zugleich
die wichtigste katholische Macht des Südens, die bayrischen
Wittelsbacher: sie hatten ihrerseits auf die Königswürde ge—
jofft; waren sie schon Ferdinand in Böhmen entgegengetreten,
so blieb, soweit bisher unsere Kenntnis reicht, von jetzt ab auf
lange ihre Grundhaltung Osterreich feindlich; mit allen habs—
hurgischen Gegnern, mit Zapolya vornehmlich, knüpften sie an.
Konnte demgegenüber der Westen dem Kaiser Ersatz bieten?
Vor allem von den drei geistlichen —DD—
muten sollen, daß sie gegen die Ketzer helfen würden. Aber