402 Fünfzehntes Buch. Drittes Kapitel.
die waren längst gewohnt, auf Frankreich und allenfalls noch
auf den Papst zu schauen, jene großen, Karl in tiefster Seele
abgeneigten Mächte; eben in der Haltung der Erzbischöfe ver⸗
quickte sich die internationale mit der deutschen Politik.

König Franz war nach dem Damenfrieden von Cambray
gegenüber Karl frei geworden von dem Augenblick an, da er
im Sommer 1530 nach endlosen und peinlichen Verhandlungen
seine Söhne aus spanischem Gewahrsam zurückerhalten hatte.
Zwar hielt er sich äußerlich freundlich; aber schon sprach man
am französischen Hofe von geheimen Hoffnungen auf die erneute
Eroberung Mailands, schon wühlten die französischen Gesandten
von neuem in Deutschland, und offene Verbindungen wurden
mit dem Hauptfeind des habsburgischen Donaureichs, dem
Türken, angeknüpft. So war die Stellung beider Herrscher ge—
spannt und blieb es jahrelang bis zum erneuten Ausbruch des
Krieges im Jahre 1536, den Karl schließlich nach langem
Zaudern gegenüber der steigenden Einmischung Frankreichs in
Italien und Deutschland nicht umhin konnte zu führen.

Nun waren aber fast während dieser ganzen Zeit die Be—
ziehungen zwischen Frankreich und der Kurie die allerengsten.
Beide Mächte fanden sich, wenn auch aus sehr verschiedenen
Gründen, zusammen in dem Abscheu vor einem gemeinen Konzil,
wie Karl es zur religiösen Beruhigung Deutschlands nicht
müde ward zu verlangen; zudem litt Clemens VII. in seinen
territorialen Hausbestrebungen unter der zweifellosen Übermacht
der kaiserlichen Gewalt in Italien, wogegen er Hilfe nur von
Frankreich erwarten konnte.

Und in diese eng verknotete Opposition Frankreichs und des
Papstes spielten nun alle sonst bedeutenden Elemente der euro—
päischen Politik in einer dem Kaiser ungünstigen Weise hinein;
die trüben Ehehändel Heinrichs von England, die den lüsternen
König auf lange Zeit von den kanonischen Entscheiden des
Papstes abhängig machten, das ungarische Gegenkönigtum des
siebenbürgischen Wojwoden Zapolya, der alsbald mit Frankreich
verhandelte, vor allem die nimmer müde Feindschaft der
Türken, deren Angriffe sich zur stillen und lauten Freude König