LKirchliches und politisches Reifen des Protestantismus. 405
scheiterte an dem fortwährenden Widerstreit zwischen Zürich und
Bern; und noch waren die vier Waldstätten und Zug katholisch.
In dieser Lage führte die zu weit getriebene äußere Bedrängung
der katholischen Kantone — man haͤtte, übrigens gegen den
Willen Zwinglis, am 15. Mai 1531 gegen sie geradezu eine
Lebensmittelsperre eingeführt — zur Katastrophe. Die Fünf—
orte wehrten sich ihrer Haut; sie zogen gegen die Züricher und
schlugen sie bei Kappel am 11., beim Zuger Berge am 24. Oktober.
Schlimmer war, daß Zwingli als Feldprediger bei Kappel fiel.
Heldenhaft war er mit ausgezogen, schwerverwundet weigerte
er sich, zu beichten, da stieß ihn ein feindlicher Söldnerführer
nieder. Sein Leichnam ward von den Katholiken gevierteilt
und verbrannt. Mit Zwingli war die führende Gewalt unter
den evangelischen Schweizern geschwunden; es konnte zunächst
scheinen, als ob die Funforte nunmehr das Evangelium in der
Schweiz mit Hilfe des Hauses Habsburg ausrotten würden.
Indes hierzu reichte ihre eigene Kraft nicht aus, und der Kaiser
versagte trotz aller Bitten seines Bruders Ferdinand ihnen
machtlos, wie er war, die Hilfe. So kam es am 20. November
1531 zu Kappel zu einem Frieden, der im wesentlichen die
Parität beider Bekenntnisse bestehen ließ. Freilich, von der
alten Bedeutung der zwinglischen Reformation war nicht mehr
die Rede; ja es stellte sich in der deutschen Schweiz bald eine
katholische Reaktion ein. Erst einige Jahre später sollte in
Genf, durch Calvin, diejenige schweizerische Reformation be—
gründet werden, die zu weltgeschichtlicher Bedeutung erblüht ist.

Für die Sache der deutschen Protestanten aber, wie sie
jetzt im Schmalkaldener Bunde geeint waren, bedeutete die mit
dem Tode Zwinglis eintretende Abschwächung der konfessionellen
Gegensätze unzweifelhaft einen Gewinn: jetzt mochte es gelingen,
unter rückhaltlosester Teilnahme der bisher noch schwankenden
Oberdeutschen den Bund zur vollkommnen Vertretung aller
evangelischen Interessen zu entwickeln. In der That beantragte
jetzt Straßburg eine neue Tagung zur festeren Gestaltung des
Bundes, der mittlerweile in zahlreichen Versammlungen sich
immerhin schon gekräftigt und u. a. Frankfurt, Lübeck, Braun—