406 — Funfzehmtes Buch. Drittes Kapitel.
schweig und Göttingen aufgenommen hatte; und bereits am
19.-27. Dezember 1531 trat man zu Frankfurt zusammen.
Hier wurden dann die Grundlagen einer Organisation verab—
redet, deren formeller Abschluß im April 1882 zu Schweinfurt
erreicht ward. Nach ihnen wurde ein festes Stimmenverhältnis
der einzelnen Bundesmitglieder hergestellt; es wurde ferner eine
nicht allzu schwerfällige Kriegsverfassung geschaffen, deren eilende
Hilfe auf 2000 Mann zu Roß und 10000 Mann zu Fuß und
deren zweimonatlicher Sold auf 140000 Gulden veranschlagt
ward; an ihrer Spitze sollten Hessen und Kursachsen in
gewisser Verteilung der Rechte des kriegerischen Oberbefehls
und der im Frieden regierenden Hauptmannschaft stehen.

Damit war eine politische Vertretung des Protestantismus
im Reiche geschaffen, der die katholischen Stände einstweilen
Gleichwertiges nicht entgegenzustellen hatten. Und auch dem
Kaiser war der so erweiterte Bund gewachsen, um so mehr, als
er alsbald als hauptsächlichstes Bollwerk gegen das Haus Habs—
burg überhaupt galt und von dieser Seite her intime Be—
ziehungen zu den Herzögen von Bayern anknüpfen konnte, wie
er auch mit Erfolg auswärtige Verbindungen mit Frankreich
und England einging.

Im übrigen aber führte Organisation und Bestand des
Bundes für die innere deutsche Entwicklung selbst bald zu
wichtigen Verschiebungen der sozialen und politischen Gegen—
sätze. Die oberdeutschen Städte, des schweizer Haltes nunmehr
auf religiösem wie politischem Gebiete bar, unterlagen all—
mählich dem fürstlichen Einfluß; nicht anders erging es den
norddeutschen Städten, die dem Bunde beitraten. Es ist wohl
zu verstehen, wenn sich unter den großen süddeutschen Städten
eben die mächtigste, Nürnberg, den Schmalkaldnern fernhielt:
die alte, den Fürsten einst ebenmäßige Stellung der Städte
wurde, soweit sie noch bestand, durch den Bund für den Norden
wie den Süden mächtig angegriffen und in vieler Hinsicht
beseitigt. Waren die Anfänge der Reformation wohl gleich—
mäßig getragen gewesen von den Sympathien der städtischen
Bürgerschaften und der Teilnahme frommer Fürsten, hatten