Rirchliches und politisches Reifen des Protestantismus. 407
noch um 1526 Fürsten und Städte gleichmäßig die neue Kirchen—
verfassung zu obrigkeitlichem Vorteil zu entwickeln gesucht, so
traten nunmehr, in der politischen Verteidigung des neuen
Glaubens, die Städte in den Schatten der führenden fürstlichen
Personen, traten überhaupt zurück vor der wachsenden Be—
deutung der Länder. So wurde der Schmalkaldische Bund
zu einer der wichtigsten Triebkräfte wachsender Fürstenmacht;
in dieser Richtung vor allem hat die Niederlage der schweize—
rischen Reformation im Reiche politisch gewirkt.

Der Kaiser hatte inzwischen, an sich unsicher und noch dazu
durch drohende Türkengefahr bedrängt, mit den Protestanten
zu verhandeln gesucht und ihnen nach längeren Vermittelungs⸗
bemühungen am 8. Juli 1581 zugesagt, daß die Prozesse, die
das Reichskammergericht auf Grund des Augsburger Reichs—
tagsabschieds gegen sie eingeleitet hatte, zunächst bis zu einem
weiteren Reichstag eingestellt werden sollten. Es war die vor—
läufige Aufhebung des wesentlichsten Teiles der Augsburger
Beschlüsse.

Und nun sah man dem nächsten Reichstage entgegen. Der
Kaiser wünschte hier vor allem eine stattliche Unterstützung gegen
die Türken zu erreichen. Allein der Schmalkaldische Bund lehnte
seine Beihilfe ohne weiteres ab, es sei denn der Religionsfriede
zuvor hergestellt. So half es nichts; Karl mußte sich, zumal
ihn der Papst völlig im Stiche ließ, zu Verhandlungen in
dieser Richtung bequemen. Sie begannen am 9. April 1532
zu Schweinfurt. Hier legten zunächst die Schmalkaldner eine
Anzahl von Artikeln vor, deren Annahme den freien Lauf des
Evangeliums durch das Reich verbürgt haben würde. Natür—
lich nahm sie der Kaiser nicht an; nach manchem Feilschen
wurden die Verhandlungen auf den 8. Juni nach Nürnberg
vertagt.

Inzwischen war am 17. April der Reichstag zu Regens⸗
burg zusammengetreten. Alsbald hatte ihm der Kaiser seine
Türkenforderungen vorgelegt; er hatte gehofft, durch einseitige
Bewilligungen der katholischen Stände stark genug zu werden,
um in den Verhandlungen mit den Evangelischen seinen Willen

Lamprecht. Deutsche Geschichte V. 2. 5 27