408 Fünfzehntes Buch. Drittes Kapitel.
durchzusetzen. Allein das war ein Irrtum. Die katholischen
Stände waren weit davon entfernt, seine Propositionen ohne
Weiterungen zu bewilligen; sie wünschten, ihre Interessen in die
Verhandlungen mit den Evangelischen einzuführen. In der
That blieb dem Kaiser nichts übrig, als sich ihnen teilweise
unterzuordnen. Unter diesen Einflüssen kam es zum Abschluß
des sog. Nürnberger Religionsfriedens vom 28. Juli 1332.
Sehr natürlich, daß er gegenüber den ursprünglichen Forde—
rungen der Protestanten ein mageres Ergebnis zeigte; Philipp
von Hessen hat ihn erst nach einigen Wochen des Grollens
angenommen. Immerhin aber sicherte er den Protestanten, wenn
auch unter mancherlei formellen Winkelzügen, zu, daß sie im
gemeinen Frieden stehen sollten und daß die vor dem Reichs—
kammergericht gegen sie anhängigen Prozesse eingestellt werden
sollten bis zu einem nächstkünftigen Konzil, oder für den Fall,
daß ein Konzil nicht zu stande käme, bis zu einer anderweitigen
Verständigung zwischen den Ständen.

Es war trotz allem eine neue, wertvolle Fristerstreckung für
den Protestantismus. Der Kaiser aber erhielt jetzt eine kräf⸗
tige Hilfe gegen die Türken und die Protestanten zeigten in
seiner Unterstützung besonderen Eifer, ja wirkliche Begeisterung;
schon im Oktober 1532 waren etwa 80000 Mann bereit, dem
viel kleineren Heere des Sultans Suleiman entgegenzuziehen ˖
Und scheiterte der türkische Angriff im wesentlichen schon an
der tapfern Verteidigung der kleinen westungarischen Feste
Güns, so war doch nicht zu verkennen, daß die beträchtliche
deutsche Rüstung dem Türken Eindruck gemacht hatte.

Der Kaiser aber ging unmittelbar aus Ungarn, ohne auch
nur die Türken zu verjagen, zum großen Erstaunen der Welt
und zur bitteren Enttäuschung König Ferdinands nach JItalien.
Er wollte mit dem Papst über ein gemeines Konzil verhandeln;
es war ihm unzweifelhaft, daß eine Lösung der religiösen Frage
in seinem Sinne in Deutschland bei den im Reiche bestehenden
Machtverhältnissen nur durch Einschiebung einer fremden katholi—
schen Macht noch möglich sei. Allein hier wartete seiner eine
harte Enttäuschung. Clemens VII. verabscheute nach wie vor