420 Fünfzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Gang gebracht werden, zunächst in Speier und Hagenau, dann
aussichtsreicher in Worms. Hier kam es neben den offiziellen
Verhandlungen, welche von dem päpstlichen Legaten Morone
als den Katholiken zu ungünstig ergebnislos hingezogen und
schließlich vom Kaiser abgebrochen wurden, in geheimer Verab—
redung protestantischer und katholischer Theologen zu einem
vom Kaiser gebilligten Entwurfe, der eher Aussichten auf eine
die Katholiken befriedigende Vereinigung bot; er enthielt den
Kern der evangelischen Rechtfertigungslehre, kam aber im
übrigen der alten Kirche aufs weiteste entgegen.

Darauf hielt es Karl an der Zeit, in öffentlicher und
völlig offizieller Weise die Unionsverhandlungen weiter zu
führen. Er eröffnete am 8. April 1541 einen Reichstag zu
Regensburg und ernannte in Verbindung hiermit eine theologische
Kommission von drei Katholiken, Eck, Pflug und Gropper, so—
wie drei Protestanten, Melanchthon, Bucer und Pistorius, zur
weiteren Vereinbarung auf Grund der Wormser Vorschläge.
Sie trat am 27. April zusammen, und schon am 2. Mai war
man sich über alle grundsätzlichen Fragen einig. Das trefflichste
Ergebnis schien erreicht, um so mehr, als der päpstliche Legat, der
sehr gemäßigte Kardinal Contarini, zustimmte: Karl konnte sich
am Schlusse seiner ehrlich gemeinten Versöhnungsarbeit glauben.

Allein konnte man im Ernste denken, die tiefen, nun auch
schon auf das wirtschaftliche, soziale und politische Gebiet über—
tragenen Gegensätze durch ein paar Formeln dogmatischer
Einigung ausgleichen zu können? Handelte es sich denn um
nichts, als um Abweichungen in der Formulierung der Lehre?
Katholische und protestantische Weltanschauung waren schwerlich
noch versöhnbar: die öffentliche Meinung und sie führend und
fördernd die obersten Instanzen der katholischen und der evan—
gelischen Kirche mußten sich gegen die Einung aussprechen.

Der Papst und unter dem Drucke Bayerns auch die
katholischen Stände des Reiches versagten sich trotz alles Mah—
nens von seiten Karls, und auch Luther trat dem Abkommen
entgegen. Eine förmliche Gesandtschaft, die aus Regensburg
an ihn abging, empfing er zwar höflich, zeigte ihr aber als—