Kämpfe der Protestanten; Religionsfriede von 1555. 421
bald das Unmögliche ihrer Forderungen, indem er die Bitte
aussprach, der Kaiser solle sofort die reine und klare Predigt
der vereinbarten Artikel auch in katholischen Gegenden anbe—
fehlen.

So verlief denn dieser Vermittelungsversuch, der ernsteste
und aussichtsvollste, der je unternommen worden ist, schließlich
völlig im Sande; der Kaiser mußte einsehen, daß auf diesem
Wege eine Ausgleichung der Gegensätze in Deutschland nicht
zu erreichen sei.

Inzwischen machten die Protestanten noch immer Fort⸗
schritte; soweit es sich um die reine Lehre, nicht auch um die
politische Stellung des Protestantismus handelte, schien der
Sieg des Evangeliums in ganz Deutschland nur noch eine
Frage der Zeit. Bisher hatte sich vor allem Nordwestdeutsch⸗
land noch dem Evangelium ferngehalten; in Westfalen war es
erst spät da und dort angenommen worden, und das nieder⸗
ländische Wiedertäufertum, in den Greueln von Münster hinein⸗
ragend in die Entwicklung rechts des Rheines, hatte die Ver—
breitung auch der lutherischen Lehre mannigfach, namentlich in
den breiteren Schichten des Volkes, gehindert. Dafür schien es
jetzt an den wichtigsten Stellen zugleich zu einer Reformation
von oben her kommen zu sollen. In Köln hatte der Kurfürst
Herrmann von Wied, ein ruhiger, milder Charakter, schon
früh Neigung zur evangelischen Lehre gezeigt oder sich wenig—
stens auf erasmischen Wegen gehalten; von dieser Stellung
aus hatte er 1536 unter dem Einfluß des friedlichen Johann
Gropper eine Reformation“ durchgeführt, die den alten Kultus
beibehielt, aber wesentliche Elemente der evangelischen Heils—
lehre einbürgerte. Jetzt nun, seit Ende 1541, ging er, gestützt
auf den Regensburger Reichstagsabschied, weiter. Er suchte
den Rat und die Predigt Bucers; im Mai 1548 kam Melanch⸗
thon an den Rhein, unter dem Beistand der Stände des Kur—
fürstentums mit Ausnahme der Stadt Köln, sowie unter Zu—
stimmung vieler Kapitulare sogar des Kölner Domstifts wurde
mit der vollkommenen Reformation des Stiftes begonnen. Und
schon schloß sich dem Erzbischof sein Suffragan, Franz von Waldeck,