422 Fünfzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Bischof von Münster, Minden und Osnabrück an; und Herzog
Wilhelm von Jülich-Cleve nahm offen das Abendmahl unter
beiderlei Gestalt: die nächsten Jahre mußten den Sieg des
Protestantismus am Niederrhein, in unmittelbarer Nähe der
kaiserlichen Niederlande, bringen. Damit nicht genug, hatten
die protestantischen Fürsten des östlichen Norddeutschlands fast
alle noch bestehenden Gegner des Evangeliums in dieser
Zeit überwunden, so namentlich den widerwärtigen Herzog
Heinrich von Braunschweig, und hatten auch schon begonnen,
Bistümer zu säkularisieren, allen vorweg Naumburg im Jahre
1541. Und in Süddeutschland regte sich das Evangelium in
allen noch etwa zweifelhaften Reichsstädten von Metz bis
Regensburg, trat Pfalzgraf Ottheinrich völlig zum neuen
Glauben über, ergriff die Reformation in den österreichischen
Ländern immer weitere Kreise.

Welche Aussichten, hätte die politische Verbindung der
Protestanten an Umfang und innerer Festigkeit den Fortschritten
des Evangeliums die Wage gehalten. Allein hier war in dem
Schmalkaldischen Bunde, dem Wahrzeichen evangelisch-politischer
Finheit, seit etwa 1538 ein arger Rückschlag eingetreten.

Schon daß am 10. Juni 1838 ein katholischer Gegen—
bund zu Nürnberg ins Leben trat, in dem sich König
Ferdinand, Mainz, Salzburg, Bayern, Herzog Georg von
Sachsen, Heinrich und Erich von Braunschweig zusammenfanden,
mußte die bisher fast unumschränkte Handlungsfreiheit der
Schmalkaldner begrenzen, wenn dieser Bund auch zunächst nur
Verteidigungszwecke hatte, ja den Eintritt von Protestanten
zrundsätzlich nicht ausschloß; dem gegenüber bedeutete es doch
nur einen geringen Erfolg der Schmalkaldner, wenn die Ver—
——
ihren Bund noch einmal dem Kaiser gegenüber auf kurze Zeit
sehr selbständig hinstellten.

Schlimmer aber war und eigentlich erst zum Verderben gereichte
den Schmalkaldnern, daß sich innerhalb ihres Bundes selbst all—
mählich unversöhnbare Gegensätze regten. Von jeher war hier
die gegenseitige Stellung Kursachsens und Hessens ein Stein des