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Fünfzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Margarete von der Sale mit Wissen seiner ersten Gemahlin
angetraut.

Der Vorgang sollte geheim bleiben nach dem zweifellos
unsittlichen Rate der Theologen; natürlich wurde er bekannt.
Die Folgen konnten nicht ausbleiben. Philipp, schon oft
genug den Schmalkaldnern, soweit sie zu Kursachsen hielten,
wegen seiner weitgehenden Pläne und angeblich demokratischen
Neigungen verdächtig, sah sich nun vollends aus der Verbindung
mit dem Kurfürsten von Sachsen und aus dem Schmalkaldner
Bunde moralisch verdrängt. Ohne daß viel von den Bundes—
zenossen gegen ihn geschehen wäre, zog er die naturgemäßen
Folgen eines unerhörten Schrittes: am 18. Mai 1541 trat er
in ein förmliches Bündnis mit dem Kaiser, dem er sich schon
längere Zeit vorher in wenig angemessener Weise genähert hatte.

Es war der Anfang zum Verfall des Schmalkaldner Bundes;
von einer ausschließlich protestantischen Zukunft Deutschlands
tonnte nicht mehr die Rede sein.

Der Abfall Philipps trat in einem Augenblicke ein, wo
der geeinte deutsche Protestantismus eben das Schlußglied
einer vernichtenden Koalition gegen Karl V. hätte bilden können.
Seit 1540 spätestens verhandelte Frankreich wieder mit den
deutschen Fürsten, katholischen wie protestantischen, wegen eines
Bündnisses gegen den Kaiser; im Jahre 1541 erhob der Sultan
Suleiman sich zum energischsten Angriffe gegen sterreich, nach—
dem ein Jahr vorher der ungarische Gegenkönig Zapolya ge—
storben war; er nahm ganz Ungarn ein; dauernd schien er sich
im Lande niederlassen zu wollen; der Sohn Zapolyas, zum
erneuten königlichen Widersacher der Habsburger ausgerufen,
ward auf Siebenbürgen beschränkt. In der That hielten sich
die Türken einstweilen in Ungarn; den Angriff eines schlecht
disziplinierten Reichsheeres unter der mangelhaften Führung
des Brandenburgischen Kurfürsten Joachim II. schlugen sie im
Jahre 1542 mit Leichtigkeit zurück. Und inzwischen beunruhigte