Rämpfe der Protestanten; Religionsfriede von 1555. 425
die Barbareskenmacht unter Chaireddin Barbarossa und Hassan
Aga die Küsten der Königreiche Neapel und Spanien; im
Einverständnis mit Frankreich beherrschte sie das Westbecken
des Mittelmeeres, und Karl V., der gegen den ewig plagenden
Feind einen erneuten Zug nach der afrikanischen Küste unter—
nahm, scheiterte vor Algier, Oktober 1541.

Unter diesen Verlegenheiten Karls dehnte Franz J. die
Fäden seiner Verbindungen gegen den Kaiser immer weiter aus;
schließlich gewann er neben Dänemark auch Schweden und grub
damit dem Kaiser die finanzielle Hilfe der Niederlande ab, deren
gewinnbringendster Handel auf die Ausbeutung der nordischen
Gebiete gewiesen war. Und er selbst begann im Jahre 1542
von neuem den offenen Krieg.

Welche Aussichten für die deutschen Protestanten, griffen
sie fest und einig in diese Kombination ein! Galt es doch in
diesem Falle, sich eines undeutschen, spanisch denkenden und
handelnden Kaisers zu erwehren, die religiöse Einheit des Vater—
landes herzustellen und zu sichern im Sinne der Nation gegen
eine formale, international gekennzeichnete, dem Herzen des
Volkes fernstehende Centralgewalt.

Und schon nahte in dem unmittelbaren Kampfe zwischen
Franz und Karl für die deutschen Fürsten die Notwendigkeit
einer zweifellosen und unzweideutigen Entscheidung. Am Nieder—
rhein hatten sich im Laufe des dritten und vierten Jahr—
zehntessdes 16. Jahrhunderts sehr eigenartige dynastische Ver—
hältnisse gebildet. Johann von Cleve hatte nach dem Aussterben
des Mannesstammes im Herzogtum Jülich von diesem Besitz
ergriffen; sein einziger Sohn und Nachfolger Wilhelm hatte
dazu? im Jahre 1588 nach freiem Entschluß der Stände des
Landes die Herrschaft in Geldern und Zütphen erhalten, nach—
dem der Herzog Karl, der Feind des Hauses Ästerreich und
Verbündete Frankreichs, gestorben war. Es war dadurch eine
große Laienherrschaft am Niederrhein entstanden, die sich drohend
zur Seite der niederländischen Herrschaft Karls V. erhob. Und
diese Herrschaft trat immer mehr auf die protestantische Seite.
Schon Herzog Johann hatte die Kirche seiner Territorien Rom

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