Kämpfe der Protestanten; Religionsfriede von 185855. 429
Türken hatte Karl V. die internationale Lage für die Ver—
nichtung des deutschen Protestantismus vorbereitet.

In diesen Zeiten, noch vor Ausbruch des verderbenbringenden
Kampfes, ist Martin Luther gestorben, in der Nacht vom 17. zum
18. Februar 1546. Ein Kind Gottes mitten in den Händeln
dieser Welt würde er die kommenden Jahre schwerlich verstanden
haben.

Freilich, dem tragischen Schicksale fast aller länger lebenden
Helden der Geschichte ist auch er nicht entgangen: er unterlag
zuweilen der Wucht des Selbstgeschaffenen. Zwar konnte er sich
seines Werkes in guten Stunden bis zuletzt herzlich freuen; aber
es gab auch Zeiten, in denen er irre ward an der sittlichen
Berechtigung seiner That. Freilich blieb er fern von dem
prometheischen Trotz und dem ausschweifenden Pessimismus so
vieler alternder Revolutionäre; an die Stelle traten bei ihm
grobkörniges Gottvertrauen und die Angst schwerer religiöser
Kämpfe. So hat er wohl äußern können: „Daß ich das rechte
und reine Wort Gottes lehre und predige, dafür setze ich meine
Seele zu Pfande und will auch darauf sterben.“ Aber er hat
auch erzählt: „Wenn mich der Teufel müßig findet, ... macht
er mir ein Gewissen, als habe ich unrecht gelehrt, den vorigen
Stand der Kirche, der unter dem Papsttum fein, still und
friedsam war, zerrissen, viel ÄArgernis, Zwiespalt und Rotten
durch meine Lehre erregt. Nun, ich kann nicht leugnen, mir
wird oft angst und bange darüber.“ Doch setzt er hinzu:
„Sobald ich aber das Wort ergreife, habe ich gewonnen!“

In der That: ein Mann des Wortes ist Luther von Jahr zu
Jahr mehr geworden. Er, der ein Mensch war des unabhängig—
sten und tapfersten Denkens, der anfangs mit dem Dogmenvorrat
nicht minder frei geschaltet hatte, wie mit dem biblischen Kanon,
der seine Gedanken nicht hatte bannen können in die engen
Schulformen hergebrachter Theologie, dessen Temperament das
niedrige Gestrüpp kahler Begriffe floh und die Umschreibung
der Idee in schlagfertigem Worte liebte statt feiner Spitzung
und Feilung —: er ward durch die trüben Leidenschaften der
religiösen Radikalen nicht minder, wie durch das Bedürfnis