Kämpfe der Protestanten; Religionsfriede von 1555. 483
Behandlung der protestantischen Frage; durch stärkste Stellung—
nahme gegen die deutschen Ketzer glaubte er den Kaiser am
besten bei seiner Absicht halten zu können. In der That schloß
Karl endlich, nach mannigfachen Bedenken und Täuschungs—
bersuchen gegenüber den Evangelischen in der ersten Hälfte des
Jahres 1546, erbittert durch weitere Fortschritte des Protestantis⸗
mus, am 9. Juni 1546 von Regensburg aus mit dem Papste
ab, und schon am 16. Juni ward der Vertrag zu Rom ratifi—
ziert. Hiernach bewilligte der heilige Vater dem Kaiser zu dem
Glaubenskrieg gegen die deutschen Ketzer eine Beihilfe von
200 000 Kronen und 12000 Mann zu Fuß, 500 zu Roß,
ferner die Hälfte des römischen Jahresertrags aus der spanischen
Kirche und den Verkauf spanischer Kirchengüter bis zur Höhe
oon einer halben Million Kronen.

Varallel mit diesen Geschäften hatte Karl in Regensburg
und von Regensburg aus auch mit deutschen Fürsten und
sonstigen Ständen verhandelt. Sein Ziel war dabei, die Häupter
des Schmalkaldner Bundes womöglich zu vereinsamen; waren
Hessen und Kursachsen etwa nur noch auf sich gestellt, dann
wollte er über sie herfallen, ein Exempel statuieren, schrecklicher
denn dasjenige Cleve-Jülichs, und sich somit den Gehorsam des
ganzen Reiches sichern.

Vor allem galt es hier, die alten sozialen Spaltungen der
Nation, das gegenseitige Mißtrauen der Städte, des Adels, der
Fürsten zu benützen. Von ihnen hatten die Fürsten im Verlauf
der dreißiger Jahre sich ganz in den Vordergrund geschoben,
namentlich der Adel war dagegen völlig zurückgetreten; überall
hatte er Eingriffe fürstlicher Herrschaft zu fürchten gehabt.
Diese Entwicklung trieb dem Kaiser jetzt den Adel in die Arme;
überall gewannen seine Abgesandten, namentlich unter dem
Einfluß des Grafen Reinhard von Solms, die Freiherren des
Reichs und die Grafen. Anders stand es mit den Städten.
Sie spielten im Schmalkaldischen Bunde immerhin eine noch
gewichtige Rolle; es war nicht abzusehen, wie sie dem Kaiser
ohne weiteres zufallen sollten. Der Kaiser begnügte sich daher,