434 Fünfzehntes Buch. Viertes Kapitel.
sie kurz vor Ausbruch des Kampfes ebenso wie die schweizerische
Eidgenossenschaft zu benachrichtigen, daß er nur gegen einige
unbotmäßige Fürsten vorgehen wolle; die kirchlichen Ziele des
Krieges verschwieg er. Leichteres Spiel dagegen hatte der
Kaiser wiederum bei einzelnen Fürsten. Wann hätte die deutsche
Vergangenheit jemals eine volle Einheit seiner Fürsten gesehen?
Am natürlichsten war, daß die katholischen Wittelsbacher, denen
der Kampf als ein rein religiöser geschildert wurde, sich dem Kaiser
verbündeten; am 7. Juni 1546 kam zu Regensburg ein Ver—⸗
trag mit Wilhelm von Bayern zu stande, der den bayrischen
Wittelsbachern unter gewissen Bedingungen die Aussicht auf
die pfälzische Kur eröffnete.

Aber auch protestantische Fürsten ließen sich gewinnen.
Neben der älteren frommen Generation protestantischer Fürsten
war jetzt ein jüngeres Geschlecht im Aufwuchs, das die ersten
Tage des neuen Glaubens nicht gesehen hatte. Es wich weit
ab von dem treuherzigen Geschäftsbetrieb der älteren Generation,
die, in kleinen Verhältnissen groß geworden und gealtert, sich
glücklich schätzte, das eigene Land zu verwalten und dem Nachbar
auf diplomatisch weniger feine als äußerlich gewaltsame Art
das Seine zu rauben. Diese Jungen hatten die Welt gesehen,
sie kannten die weiten Geschäfte des Kaisers, sie waren mehr
oder minder seine Schüler. Gelassen, ruhig, diplomatisch
gewandt, minder ehrenhaft in Treue und Glauben, ent—
behrten sie des Funkens religiöser Begeisterung, ja gelegentlich
wohl völlig des religiösen Interesses. Es begreift sich, daß der
Kaiser in diesen Kreisen Bundesgenossen zu finden hoffen konnte
und fand. Von den Brandenburgern traten die Markgrafen
Hans und Albrecht auf seine Seite, von den Welfen Erich II.
von Braunschweig; auch die wittelsbachischen Pfälzer gerieten
ins Schwanken: vor allem aber gewann der Kaiser den glänzend⸗
sten Vertreter der neuen Fürstenart, den Herzog Moritz von
Sachsen. Alsbald nach seinem Regierungsantritt (1541) war
Moritz schon aus dem Schmalkaldener Bunde ausgetreten und
hatte sich dem Kaiser genähert zum Schutz gegen den kurfürst—
lichen Vetter, mit dem er in ewigem Zwiste lebte, wie in der