436 J Fünfzehntes Buch. Viertes Kapitel.
überraschend kam der Andrang, begünstigt ward er von einer
Verschiebung der internationalen Lage zu Ungunsten der kaiser—
lichen Politik; der Sieg der Protestanten erschien gewiß.

Allein wie anders endete der Feldzug. Die schwerfällige
Einrichtung eines Bundeskriegsrates, die nie völlig auszu—
tilgende Eifersucht zwischen Hessen und Kursachsen, die infolge
davon eintretende Langsamkeit aller Bewegungen hinderte schon
in der ersten Phase des Krieges jeden Erfolg.

Während der Kaiser in Regensburg saß, im Oberbefehl
einer an Zahl den Schmalkaldnern fünffach unterlegenen Truppe,
der erst spät von Italien und den Niederlanden her Zuzug
kommen konnte, hatten sich schon zwei Heere des Bundes formiert;
das eine im Süden, das andere im Centrum Deutschlands. Die
Truppen des Südens machten, vornehmlich von Schärtlin von
Burtenbach geführt, erfolgreiche Anfänge eines Versuches, den
Zumarsch der kaiserlichen Italiener zu hindern, indem sie die
Brennerstraße, zunächst im Unterinntal, besetzten. Aber mitten
im Vormarsch wurden sie vom Kriegsrat zurückberufen.

Inzwischen war das mitteldeutsche Heer, Truppen vor
allem Kursachsens und Hessens, zum Marsche gegen den Kaiser
aufgebrochen: wäre es unmittelbar auf Regensburg losgezogen,
hätte es sich vor den Thoren der Stadt mit den süddeutschen
Truppen vereinigt, so wäre der Kaiser aller Vermutung nach
verloren gewesen. Statt dessen bewerkstelligte man die Ver—
einigung fast 100 Km donauaufwärts bei Donauwörth. Das
gab dem Kaiser Zeit, die Italiener an sich zu ziehen und nun
mit etwa 835000 Mann den Schmalkaldner Truppen eben⸗
mächtig bis Ingolstadt entgegen zu marschieren. Hier blieben
die feindlichen Heere in Lagern gegenüber stehen; es kam gegen
Ende August zu einer erfolglosen gegenseitigen Kanonade; darauf
drängte der Kaiser die Schmalkaldner nach Schwaben hinüber,
während er gleichzeitig die niederländischen Truppen mit seinem
Heere vereinigte. Der Feldzug des Sommers war infolge
rein strategischer Unterlegenheit für die Schmalkaldner verloren:
eine Thatsache, die in Anbetracht der ursprünglichen Aus—
sichten in ganz Deutschland den schlimmsten Eindruck machte