KRämpfe der Protestanten; Religionsfriede von 1555. 437
und zugleich England und Frankreich endgültig bestimmte, sich
nicht in die deutschen Verhältnisse zu mischen.

Und während man in Schwaben ziemlich ratlos weilte,
brach Herzog Moritz von Sachsen in Mitteldeutschland los.
Am 27. Oktober 1546 ward die sächsische Kurwürde auf ihn
übertragen und ihm der Erwerb der gesamten kursächsischen
Länder in Aussicht gestellt. Am gleichen Tage erklärte er
Johann Friedrich die Fehde, und seine Truppen besetzten im
Verein mit böhmischer Hilfe König Ferdinands binnen kurzem
das ganze Kurland; nur Wittenberg und Gotha hielten sich
aufrecht. Es war das Signal zum Abmarsch der Schmal—⸗
kaldner aus Schwaben, zur Entwaffnung des Südens und
Westens überhaupt. Hier hatte Karl die großen Städte schon
längst empfindlich zu treffen gewußt, indem er ihre Handels—
güter in seinen Reichen mit Beschlag belegen ließ, überhaupt
ihren materiellen Interessen thunlichst entgegentrat. Jetzt er—
gaben sie sich ihm wehrlos — waren doch viele ihrer reichen
Geschlechter, vor allem die großen Bankhäuser der Fugger,
Welser, Baumgartner und andere, längst infolge alter Geschäfts—
bindungen mit dem Papste an den alten Glauben, infolge
außerordentlicher Vorschüsse und Verdienste an den Kaiser ge—
fesselt. Karl aber nutzte die Gelegenheit aus, um den Ein—
wohnern die schwersten Schatzungen aufzuerlegen; es war
der Beginn des Verfalls der finanziellen Größe des deutschen
Bürgertums. Unter diesen Umständen vermochte sich auch das
deutsche Fürstentum des Südens nicht mehr zu halten. Herzog
Ulrich von Würtemberg mußte sich unter Zahlung von
300 000 Gulden Kriegsentschädigung ergeben und ward aufs
grausamste gedemütigt. Und schon erstreckten sich die Wirkungen
des verlorenen Feldzugs weiter, den Rhein hinab; am 25. Februar
1547 verzichtete der evangelisch gesinnte Herrmann von Wied,
vom Papste seines Amtes entsetzt, auf das Kölner Kurfürsten—
tum, und an seine Stelle trat ein neuer katholischer Erzbischof,
Adolf von Schaumburg.

Das Schicksal des Schmalkaldner Bundes mußte sich jetzt
in Mitteldeutschland entscheiden. Hierhin war das Bundesheer