138 Fünfzehntes Buch. Viertes Kapitel.
gezogen; hier entfaltete jetzt Johann Friedrich den größten
Eifer und Erfolg in der Rückeroberung seines Landes, ja er
suchte Moritz im eigenen Gebiete auf. Gleichzeitig begann es
in Böhmen zu gären, die alten hussitischen Ideen rangen sich
wieder empor; der utraquistische Adel ward aufsässig und suchte
Verbindungen mit Johann Friedrich von Sachsen. Ein zweiter
Abschnitt des Kampfes war eingeleitet: wird er zu Gunsten
der Reformation verlaufen?

Wiederum ward der rechte Augenblick der Offensive ver⸗
säumt. Johann Friedrich begnügte sich damit, sein Land
zurückzuerobern und das Land des neuen Kurfürsten Moritz
zu schädigen; statt sich gegen Franken hin nach Süden zu
wenden, unternahm er im April 1547 einen Vorstoß gegen
Dresden. So ließ er dem Kaiser freien Lauf, von Südwesten
her gegen ihn heranzuziehen. Und rascher, als man es ahnte,
stand das kaiserliche Heer nördlich des Erzgebirges. Am
24. April erreichte es zwischen Elbe und schwarzer Elster, süd—
lich der Lochauer Heide, in der Gegend von Mühlberg, den
rückwärts nach Norden zu marschierenden Kurfürsten, zersprengte
sein Heer ohne eigentlichen Kampf und nahm Johann Friedrich
selbst gefangen. Darauf ging der Kaiser zur Belagerung des
nahen Wittenbergs über, und im Lager vor der Stadt sah sich
Johann Friedrich am 19. Mai zu einer Kapitulation genötigt,
die seine Person, über die vorher das Todesurteil gesprochen
worden war, in die unbegrenzt dauernde Gefangenschaft des
Kaisers gab und seinem Hause die Kurwürde und die Kur—
lande absprach. Nichts blieb dem verlorenen Manne, als sein
Glaube, den er standhaft und siegreich verteidigte.

Es war ein unerhörter Schlag, der ganz Norddeutschland
dem Kaiser zu Füßen warf. Und schon schwankte auch der
letzte politische Hort des Protestantismus, Hessen.

Was vermochte Landgraf Philipp gegenüber dem nunmehr
allmächtigen Kaiser? Nur darauf kam es noch an, eine mög—
lichst vorteilhafte Form der Unterwerfung zu finden. Für den
Landgrafen vermittelten sein Schwiegersohn, Kurfürst Moritz,
und Kurfürst Joachim II. von Brandenburg. Allein sie erreichten