Kämpfe der Protestanten; Religionsfriede von 1555. 4438
Allein da ergaben sich nun sofort Schwierigkeiten. Papst
Paul war trotz aller Bedrängung durch den Kaiser nicht dahin
zu bringen, das Interim rund anzuerkennen. Zwar übersah
er es schließlich, daß deutsche Bischöfe das Interim amtlich
veröffentlichten, auch löste er im September 1549 das dem
Kaiser anstößige Konzil zu Bologna auf; aber weiter ist er
bis zu seinem Tode, der am 9. November 1549 erfolgte, nicht
gegangen. Der neue Papst, Julius III., ein willensschwacher
und geistig wenig bedeutender Mann, hat dann allerdings das
Konzil von neuem nach Trient, auf deutschen Reichsboden,
geladen; am 1. Mai 1551 sollte es eröffnet werden. Allein
nun hatten sich die Dinge schon andererseits wieder so ver—
schoben, daß selbst bei größter Fügsamkeit ein voller Erfolg
des Interims nicht mehr zu erwarten stand.

Der Umschwung kam aus dem protestantischen Deutschland
wie aus den deutschen Fürstenkreisen überhaupt.

Wessen er sich in Sachen des Interims von der Nation
würde zu versehen haben, konnte Karl schon den AÄußerungen
der Fürsten auf dem Augsburger Reichstag entnehmen. Be—
zeichnend war, daß selbst der gefangene Kurfürst Johann
Friedrich sich erfolgreich weigerte, es anzunehmen: das gehe
gegen Seele und Gewissen. Ihm ähnlich sprach sich der
Markgraf Hans von Küstrin aus; andere Fürsten, selbst der
kluge Moritz von Sachsen, baten, es wenigstens stückweise und
langsam einzuführen, um die religiösen Bedenken der Unter—
thanen zu schonen.

Ganz anders klar aber äußerte sich bald die öffentliche
Meinung der Protestanten, und sie war fast identisch mit
der Meinung der Nation. Man fand das Interim bald lächer—
lich, bald anmaßend; eine Flut von Spottversen und höhnischen
Broschüren ergoß sich über den Text und seine Urheber; Agri—
cola wäre in Thüringen bald gesteinigt worden. Es war klar:
von einer eigentlichen Aufnahme so ungeschickter Reform—
bestrebungen war in der Nation keine Rede.

So gelang es dem Kaiser, nur da, wo er unmittelbar
energisch einwirken konnte, wenigstens eine äußerliche An—⸗