448 Fünfzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Kurfürsten Johann Friedrich hatte er gehofft, die Bistümer
Magdeburg und Halberstadt zu erhalten; der Kaiser hatte nicht
daran gedacht, sie ihm zu geben. Auch war er nicht in den
vollen Besitz aller wettinischen Länder gelangt, vielmehr hatte
er zur Ausstattung der der Kurwürde entsetzten Ernestiner
diesen einen Teil der thüringischen Lande abtreten müssen.
Dem allen war dann die Gefangennahme seines Schwieger—
vaters Philipp von Hessen gefolgt gegen das ausdrückliche, ihm
gegenüber geleistete Versprechen, er solle nicht durch Gefangen—
setzung bestraft werden. Und empörend wurde Philipp in der Ge—
fangenschaft behandelt. Während Johann Friedrich von Sachsen,
der dem Kaiser gegebenenfalls noch gegen Moritz nützen konnte,
freundlich angesehen und gleichsam aufgespart ward zum Aus—
spielen gegen den verdächtigen neuen Kurfürsten, mußte Philipp
alle Härten einer wirklich grausamen Haft erdulden. Man ging
soweit, ihn ständig zu beaufsichtigen, ihn bei Ablösung der
Wachtposten in der Nacht im Schlafe zu stören; man brachte
den lebenslustigen Mann bis zum Gedanken des Selbstmordes.
Wie hätte Moritz, der stolze Fürst und Sohn, dies nicht
empfinden sollen? Und über das Gefühl der Rache hinaus
trieb ihn sein Ehrgeiz nach weiterem Besitz und höherer Würde:
zum mindesten wollte er der Retter der fürstlichen Libertät
werden gegenüber einem absolutistischen Kaiser.

So begann er seit Anfang 1550 eifrig Verbindungen zu
suchen. Er wußte sich mit den jungen Ernestinern zu stellen,
die nun in Thüringen regierten und aus ihren Gefühlen gegen
den Kaiser kein Hehl machten; er knüpfte durch die Vermitte—
lung des hessischen Hofes mit König Heinrich II. von Frank—
reich an. Er stellte sich freundlich mit Kurfürst Joachim II.
und trat durch den Markgrafen Albrecht Alcibiades von Bran—
denburg, jenen fürstlichen Räuberhauptmann der Mitte des
16. Jahrhunderts, in Beziehungen zu dem nordischen Bunde
des Markgrafen Johann von Küstrin.

Nun begegneten allerdings diese Anknüpfungsversuche
namentlich bei den nördlichen Fürsten wieder einigen Zweifeln,
als Moritz sich im Herbst 1550 mit seinen Truppen als Reichs—