Kämpfe der Protestanten; Religionsfriede von 1555. 449
felbherr gegen das geächtete Magdeburg wandte und sich
schließlich sogar mit Reichsmitteln in den Besitz der Stadt
und des Erzstiftes zu setzen suchte. Und gewiß leitete ihn
hierbei das eigene Interesse, das so lange begehrte Land zu er⸗
werben; zugleich aber vermochte er auf diese Weise auch un—
auffällig, ja im Dienste des Kaisers ein Heer aufzustellen,
das weiterhin andern Zwecken dienen konnte. Eben während
der Zeit des Magdeburger Feldzugs trat Moritz allmählich in
voller Energie und ohne Hintergedanken an die Spitze der dem
Kaiser feindlichen Bewegung der norddeutschen Fürsten. Und
es gelang ihm, sie unter seiner Führung zu einigen. Im Mai
1551 kam es zu einer Zusammenkunft zu Torgau, an der neben
Moritz Johann von Küstrin, der sich nun, wenn auch ungern,
seiner führenden Stellung im bisherigen Bunde begab, ferner
der fromme und kühne Herzog Johann Albrecht von Mecklen⸗
burg und der junge Landgraf Wilhelm von Hessen teilnahmen.
In ihr wurde beschlossen, in einem geeigneten Augenblick den
Krieg gegen Karl V. aufzunehmen, der es wage, die deutsche
Nation „von ihrer alten Freiheit in eine ewige viehische Ser—
oitut zu dringen“.

Zur Vorbereitung dieser Absicht wurde beschlossen, die
jungen Ernestiner in Thüringen als Feinde anzusprechen, wenn
sie nicht in dem kommenden Kampfe Neutralität als Beihilfe
versprächen, vor allem aber Verhandlungen mit Frankreich ein—
zuleiten; dem französischen Könige sollte für eine wirkungs—
volle Unterstützung sogar die Wahl zum römischen König in
Aussicht gestellt werden. Das hinderte nicht, daß man gleich—
zeitig beschloß, König Ferdinand unter allen Umständen zu
schonen: nach dieser Seite hin galt es, klug die Spaltung
auszunützen, die zwischen Karl V. und seinem Bruder wegen
der Kandidatur Philipps für die deutsche Köniaswürde ent—
standen war.

Am wichtigsten von alledem waren die Verhandlungen mit
Frankreich. Sie wurden denn auch mit um so größerem Eifer
betrieben, als von Frankreich her, obwohl dieses im allgemeinsten
internationalen Gegensatz zur kaiserlichen Politik stand, dennoch