Kämpfe der Protestanten; Religionsfriede von 1555. 451
wie Mailand, vom regierenden Reichsoberhaupt keineswegs wie
unveräußerliche Bestandteile des Reiches, sondern wie lose Tausch—
objekte der internationalen europäischen Politik behandelt wurden.

Während so die nordischen Fürsten gegen den ihrer Frei—
heit entgegentretenden Kaiser bis zum Losschlagen gerüstet hatten,
weilte dieser sorglos, ja anscheinend ununterrichtet in Innsbruck.
Vergebens hatte seine Schwester Maria, die Statthalterin der
Niederlande, wiederholt gewarnt, er möge sich nach dem Westen,
nach den Niederlanden zu bewegen; vergebens hatte auch König
Ferdinand seine Stimme erhoben. Der Kaiser war apathisch,
krank; die Politik, in deren Gesamtlage sich wenig Gutes für
ihn fand, widerte ihn zeitweilig an.

Und Kurfürst Moritz wußte seine Absichten aufs trefflichste
zu verheimlichen. Noch am 9. November 1551 nahm er die
inzwischen eroberte Stadt Magdeburg feierlich in den Schutz
des Kaisers, während er sich gleichzeitig insgeheim gegen Zu—
lassung des evangelischen Glaubens Treue als Erbherr schwören
ließ, und noch im Winter versprach er, den Kaiser zu besuchen,
und ordnete eine sächsische Gesandtschaft an das Konzil zu
Trient ab.
So wurde der Kaiser völlig überrascht, als im März 1552
die Franzosen gegen Lothringen losbrachen und gleichzeitig ein
Heer des fürstlichen Bundes, dem sich Markgraf Albrecht
Alcibiades mit seinen Truppen anschloß, in Franken erschien,
um noch vor Ablauf des Monats bis Augsburg vorzudringen.

Und auch jetzt wußte Moritz den Kaiser hinzuhalten. Er
war in Verbindung mit König Ferdinand getreten; er hatte
ihn gebeten, zwischen dem Kaiser und den Fürsten zu ver—
mitteln; er hatte ihm für den Fall, daß es zu einer Aus—
gleichung der Gegensätze komme, seine Teilnahme an einem
großen Zug gegen die Türken versprochen, die eben damals von
neuem gegen die Habsburger Besitzungen losstürmten. Und
es war ausgemacht worden, daß zu diesem Zwecke zwischen
Ferdinand und Moritz am 4. April 1552 eine Unterredung zu
Linz stattfinden solle.