— Fünfzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Man begreift das schmerzliche Erstaunen Ferdinands, als
statt dessen Moritz am selben 4. April an der Spitze des siegreichen
Bundesheeres in Augsburg einzog. Und schon fürchteten fast
alle Fürsten in Süddeutschland und am Rhein den von der
klugen Energie Moritzens getragenen Bund; nur wenige große
Städte, vor allem Ulm und Straßburg, widerstanden ihm noch,
zum Zeichen des immer noch lebenden fürstlich-städtischen
Gegensatzes. Und inzwischen hatte Markgraf Albrecht in
schwerer Kriegsfahrt Nurnberg und die Bischöfe am Main
gebrandschatzt, war König Heinrich von Frankreich von Westen
her eingebrochen und hatte Toul, Verdun und Nancy genommen,
sowie Metz erobert: übermächtig drang von allen Seiten die
Kunde von den Erfolgen des Bundes heran.

Moritz ward dadurch alles andere als übermütig. Er sah
wohl, wie die seinem Unternehmen anfangs günstige Stimmung
der Fürsten aus Zuneigung und Verwunderung immer mehr
in peinliche Überraschung über so bedenkliche Erfolge umschlug;
er hörte zugleich die nationalen Vorwürfe über seine Zugeständ—
nisse an Frankreich. Abschüttelung Frankreichs, rascher Abschluß
mit dem Kaiser war jetzt sein nächstes Ziel.

Er gab den Bund mit Frankreich auf; er suchte den Kaiser
in Innsbruck zu erreichen. Am 18. Mai wurden die Kaiser—
lichen in den bayrischen Alpen an der Ehrenberger Klause be—
siegt — der Weg nach Innsbruck stand offen; der Kaiser mußte
nach Villach entfliehen; am 28. Mai zogen die Verbündeten
in Innsbruck ein. Es war ein großer moralischer Erfolg; er
traf zusammen mit der Räumung der Reichsgebiete durch die
Franzosen.

Aber auch jetzt bedachte Moritz kühl das Ende. War der
Bund stark genug, den Kaiser in Italien anzugreifen? Würden
die deutschen Fürsten noch maßlosere Fortschritte eines der
Ihrigen dulden? Man mußte jetzt mit dem Kaiser verhandeln;
und betonte man ihm gegenüber die Libertät der Fürsten, so
war man allgemeiner Zustimmung der deutschen Fürstenwelt
sicher. Am 28. Mai ritt Moritz in Passau ein, am 1. Juni