Kämpfe der Protestanten; Religionsfriede von 1555. 453
begannen dort Verhandlungen zwischen ihm, König Ferdinand und
den zahlreich versammelten Fürsten, in denen eine Grundlage
zum Friedensschluß mit dem Kaiser gewonnen werden sollte.
Moritz forderte den Sieg der fürstlichen Libertät über eine
Anzahl kaiserlicher Ansprüche und die Gewährleistung religiöser
Duldung unter allen Umständen und für immer, möchte eine
künftige konfessionelle Einigung zwischen Evangelischen und
Katholiken erzielt werden oder nicht. Es war vorauszusehen,
daß er mit seinen Forderungen ziemlich allgemein durchdringen
würde; seine Propositionen wurden zu Propositionen der selb—
ständig verhandelnden Reichsstände gegenüber dem Kaiser.

Allein der Kaiser weigerte sich aufs hartnäckigste, diese Vor—
schläge seinerseits anzunehmen: sah er sich doch damit unmittel—
bar vor einem Ruin seiner deutschen kirchlichen wie monarchi—
schen Politik, der den Verfall auch seiner internationalen Be—
strebungen zur Folge haben mußte. Erst nach langem Mühen
gelang es Ferdinand, ihm die Zulassung einer stark veränderten
Fassung des Passauer Vertragsinhalts abzuringen. Hiernach
sollten die Beschwerden über den Absolutismus des kaiserlichen
Regiments wie die Frage eines endgültigen Religionsfriedens
erst auf einem künftigen Reichstage erledigt werden und die
geforderte Duldung einstweilen nur bis zu dessen Zusammentritt
gelten. Und auch diese Bedingungen, denen sich schließlich die
in Passau versammelten Stände wie Moritz — nicht aber als—
bald dessen Verbündete — fügten, hat der Kaiser erst am
15. August 1552 zu München widerwillig genug unter—
zeichnet.

Zweifelsohne ward damit der Sieg des fürstlichen Födera—
lismus und der religiösen Duldung nur auf kurze Zeit ge—
sichert, bis Karl neue Kraft zur Unterdrückung der Libertät
und des Protestantismus gesammelt haben würde. Gleichwohl
sind die Verhandlungen zu Passau von großer Bedeutung: zum
erstenmal fanden sich in ihnen Katholiken und Protestanten in
gemeinsamer Forderung der Toleranz, in gemeinsamem Wider—
stand gegen die absolutistische Auffassung der Kaisergewalt zu—